Hand aufs Herz: Planst du schon, ob du dieses Jahr lieber Raclette oder Fondue an Silvester machst? Manche mögen ja das Neujahrs-Spektakel und manche finden es einfach nur unnötig. Egal zu welchem Team du gehörst, dein Pferd ist definitiv kein Fan davon. Denn seien wir ehrlich: Für unsere vierbeinigen Freunde ist der Jahreswechsel ungefähr so entspannend wie ein Zahnarztbesuch. Nur mit mehr Geräuschen und Lichteffekten.
Aber keine Panik! Du musst nicht die ganze Nacht bibbernd im Stall sitzen (obwohl, machen wir das nicht ohnehin alle?). Mit der richtigen Vorbereitung und ein paar cleveren Tricks kannst du deinem Pferd helfen, gelassen ins neue Jahr zu starten.

1. Sprich mit deinen Nachbarn
Klingt banal? Vielleicht, aber es funktioniert! Denn viele Menschen wissen einfach nicht, dass Pferde empfindlicher auf Knallerei reagieren als ein Teenager auf einen WLAN-Ausfall. Ein freundliches Gespräch wenige Tage vor Silvester kann hier bereits Wunder wirken. Meistens reicht schon ein bisschen Aufklärung, um das Verständnis der Gegenseite zu erlangen.
Und wenn es nicht klappt, dann könnt ihr euch evtl. auch auf einen Kompromiss einigen. Beispielsweise nur in einem bestimmten Zeitraum zu schießen und/oder nicht in Richtung Stall. Denn oft sind Menschen überraschend kooperativ, wenn man sie freundlich anspricht und ihnen erklärt, was Sache ist.
2. Starte mit natürlicher Kräuter-Power
Hier kommt der absolute Game-Changer: Eine naturnahe Fütterung mit beruhigenden Kräutern. Denn während chemische Beruhigungsmittel dein Pferd nur sedieren, unterstützen natürliche Kräuter die Nervenstärke von innen heraus und das ganz ohne Zombie-Effekt.
Die Kraftpakete der Natur sind:
- Baldrian
- Hopfen
- Melisse
- Kamille
- Passionsblume
WICHTIG: Diese Kräuter wirken nicht von jetzt auf gleich wie ein Panik-Notknopf. Sie bauen über mehrere Tage eine solide Basis für mehr Gelassenheit auf. Deshalb solltest du spätestens Mitte Dezember damit anfangen! Wenn du allerdings keine Zeit oder keine Lust hast, alle Kräuter einzeln zu besorgen, dann lies jetzt unbedingt weiter.
Mein Geheimtipp: Chill mal
Denn genau für solche Zeiten, in denen unsere Vierbeiner einer erhöhten Belastung ausgesetzt sind, habe ich meine Kräutermischung Chill mal entwickelt. Sie vereint die oben genannten Kräuter und wird zusätzlich noch von Ashwagandha, Helmkraut und der Aminosäure L-Tryptophan ergänzt.
Dadurch treffen traditionelle Kräuter zur Nervenstärkung auf moderne ernährungsphysiologische Erkenntnisse. In Summe ergibt das eine Mischung, welche die Gelassenheit, die Nervenstärke und die innere Balance deines Pferdes fördern kann. Somit ist sie perfekt für stressige Zeiten wie Silvester, Stallwechsel oder wenn der Hufschmied mal wieder anrückt.
Aber auch hier ist wichtig: Chill mal sollte schon ein paar Wochen vor Silvester gefüttert werden, um eine gute Basis zu schaffen. In der heißen Phase kannst du die Dosis dann leicht erhöhen. So hat dein Pferd genau dann die Unterstützung, wenn die ersten Böller knallen.
3. Das Gelassenheitstraining
Wenn dein Pferd frühzeitig lernt, mit ungewohnten und potenziell stressigen Situationen gelassen umzugehen, bleibt es auch bei einer echten Knallerei deutlich entspannter. Gelassenheitstraining ist im Grunde wie Yoga für Pferde – nur eben mit mehr Luftballons, weniger Räucherstäbchen und ganz viel positiver Energie. Es stärkt das Vertrauen zwischen dir und deinem Vierbeiner und gibt ihm das Gefühl: „Ich kann mich auf dich verlassen, egal was passiert.“
Der Luftballon-Trick
Beginne am besten einige Wochen vor Silvester. Puste ein paar Luftballons auf und lass sie in der Nähe deines Pferdes platzen. Anfangs noch mit großem Abstand, sodass dein Pferd die Situation gut verarbeiten kann. Wenn du siehst, dass es ruhig bleibt oder schnell wieder herunterfährt, gib ihm sofort ein Leckerli und lobe es ausgiebig. So verknüpft dein Pferd die ungewohnte Situation mit etwas Positivem. Schritt für Schritt kannst du die Ballons dann näher platzen lassen. Am Ende versteht dein Pferd: „Knall = kein Problem = Belohnung.“
Profi-Tipp
Ergänze das Training mit Geräuschen vom Handy und spiele dazu ab und zu Knallgeräusche oder Feuerwerkssounds ab. Natürlich zuerst ganz leise, dann schrittweise lauter. Achte dabei gut auf die Reaktion deines Pferdes und gehe nur so schnell voran, wie es sich wohlfühlt.
4. Power dein Pferd aus (aber clever!)
Ein müdes Pferd ist in der Regel auch ein deutlich entspannteres Pferd. Das Prinzip ist ähnlich wie bei überdrehten Kleinkindern, nur dass du deinen Vierbeiner nicht mit einer Runde Spielplatz beruhigen kannst. Stattdessen hilft ein ausgeglichener Mix aus Bewegung, Beschäftigung und mentaler Auslastung, überschüssige Energie abzubauen. Ein gut ausgelastetes Pferd geht gelassener mit neuen Reizen um und lässt sich am Silvesterabend in der Regel weniger aus der Ruhe bringen.
Was zu beachten ist:
- Arbeite dein Pferd schon morgens oder vormittags am 31. Dezember
- Keine stressigen Lektionen! Es geht ums Auslasten, nicht ums Dressur-Finale
- Lange entspannte Ausritte sind Gold wert (aber nur, wenn es draußen noch ruhig ist!)
- Longenarbeit, Bodenarbeit oder freies Toben auf der Koppel sind ebenfalls zu empfehlen
5. Mach den Stall zur Wohlfühl-Oase
Am Silvesterabend wird der Stall dann zum echten Safe Space. Mit ein paar gezielten Maßnahmen kannst du die Umgebung so angenehm wie möglich gestalten, damit dein Vierbeiner die Knallerei gar nicht erst als so bedrohlich wahrnimmt.
Boxenstall:
- Alle Fenster und Türen schließen: So hältst du Lärm und Lichtblitze effektiv draußen.
- Fenster zusätzlich dämmen: Hänge die Fenster innen, und wenn möglich auch außen, mit Kartons oder dicken Decken ab. Das dämpft die Geräusche und verhindert grelle Lichtreflexe.
- Alle Lichter anschalten, sowohl drinnen als auch draußen: Helle Beleuchtung sorgt dafür, dass die Raketen draußen viel weniger spektakulär wirken. Der Kontrast ist dabei geringer und die Wirkung weniger beunruhigend.
- Musik anmachen: Studien zeigen, dass Klassik, ruhige Instrumentalmusik oder sanfte Hintergrundgeräusche gut funktionieren. Die Lautstärke sollte angenehm sein. Also nicht zu laut machen, sondern nur so weit, dass es beruhigend wirkt und gleichzeitig die Feuerwerksgeräusche überdeckt.
Offenstall und Paddock Trail:
- Rückzugsmöglichkeiten schaffen: Sorge dafür, dass ausreichend große, geschützte Bereiche zur Verfügung stehen, wie z. B. überdachte Liegeflächen oder wind- und lichtgeschützte Unterstände.
- Lärm- und Lichtschutz nachrüsten: Auch im Offenstall kannst du Decken, Planen oder Holzwände anbringen, um besonders exponierte Bereiche abzuschirmen. Wichtig: Alles sollte sicher befestigt sein und keine Verletzungsgefahr darstellen.
- Beleuchtung einschalten: Beleuchte den Offenstall gut, sowohl die zentralen Bereiche als auch den Trail.
- Herde zusammenlassen: Viele Pferde fühlen sich in der Gruppe sicherer. Die Strecke und der Trail sollten also frei begehbar sein, damit die Herde selbst entscheiden kann, wohin sie sich zurückzieht.
- Rutschgefahr minimieren: Kontrolliere den Boden und die Wege frühzeitig. Bei Frost oder Nässe solltest du ggf. mit Sand, Matten oder Hackschnitzeln für sicheren Halt sorgen.

6. Deine Fütterungstaktik
Kauen beruhigt, das wissen wir Menschen genauso gut wie unsere Pferde. Denn während wir bei Stress zu Schokolade & Co. greifen, sorgt bei unseren Vierbeiner das stetige Kauen von Raufutter dafür, dass der Parasympathikus aktiviert wird. Das ist jener Teil des Nervensystems, der für Entspannung, Beruhigung und ein allgemeines Wohlgefühl zuständig ist.
Daher sieht dein perfekte Silvester-Fütterungsplan folgendermaßen aus:
- Heu ad libitum: Heu sollte sowieso immer 24/7 vorhanden sein, aber an Silvester ist es nochmal mehr Pflicht. Achte also darauf, dass dein Pferd den ganzen Abend und die ganze Nacht über jederzeit Zugang zu reichlich Raufutter hat.
- Heu gut verteilt anbieten: Mehrere Futterstellen oder Heunetze verhindern, dass die Herde drängelt oder ein Pferd alles blockiert. So kann wirklich jeder in Ruhe fressen.
- Auf große Kraftfutterportionen am Abend verzichten: Stress + hastiges Fressen erhöht das Risiko für Schlundverstopfungen. Leichte, gewohnte Abendrationen sind daher völlig ausreichend.
- Kleine Extras sind erlaubt: Eine Handvoll Möhren oder ein kleines, lauwarmes Mini-Mash können ein entspannender Mitternachts-Snack sein.
Pro-Tipp: Wenn dein Pferd meine beruhigende Kräutermischung Chill mal kennt, kannst du eine Portion unter die Abendration mischen oder separat geben. So kombinierst du die ausgleichende Wirkung des Kauens mit der wohltuenden Kraft der Kräuter.
7. Nutze die Macht der entspannten Kollegen
Pferde sind Herdentiere und sie spiegeln sich gegenseitig stärker, als wir manchmal denken. Ein gelassenes, älteres Pferd wirkt dabei oft wie der „coole Onkel“ auf einer Familienfeier: Es strahlt Ruhe aus, bleibt souverän und vermittelt den anderen: „Alles gut, kein Grund zur Aufregung.“ Genau diese Stimmung kann an Silvester Gold wert sein.
Was du also tun kannst:
- Nervöse Pferde neben ruhige stellen
- Lasse im Offenstall die ruhigsten Tiere in der Herde
- Junge oder besonders sensible Pferde unterstützen
Denn wenn die Leitstute oder ein anderes ranghohes, souveränes Tier gelassen bleibt, denken sich die meisten Pferde ganz automatisch: „Wenn die nicht flieht, kann’s ja nicht so schlimm sein.“ Und genau dieses Gefühl möchtest du an Silvester erzeugen.
8. Der große Sicherheits-Check
Bevor die Knallerei losgeht, lohnt sich ein letzter, gründlicher Sicherheitsrundgang. So stellst du sicher, dass dein Pferd in einer Umgebung steht, die auch bei Stressreaktionen möglichst wenig Risiko birgt:
- Sind alle Zäune stabil und ausbruchsicher? Kontrolliere, ob alle Zäune stabil, standsicher und ohne Lücken sind. Ein Pferd, das sich erschreckt, sollte auf keinen Fall eine Schwachstelle finden können.
- Sind alle Gefahrenquellen entfernt? Schau nach scharfen Kanten, hervorstehenden Nägeln, lockeren Brettern oder herumliegenden Gegenständen, an denen sich dein Pferd verletzen könnte. Alles, was potenziell gefährlich ist: weg damit.
- Sind Tore und Paddock-Türen fest verschlossen? Achte darauf, dass alle Paddock-Türen, Boxentüren und Weidetore fest verschlossen sind. Auch halb geöffnete Türen können bei Panik schnell zu einer Stolperfalle werden.
- Ist jede Brandgefahr beseitigt? Entferne loses und leicht brennbares Material wie Strohballen, Pappe oder Plastik, das zufällig herumliegt. Ein Funkenflug oder herabfallende Raketenreste sollten möglichst keine Angriffsfläche haben.
Im Offenstall besonders wichtig:
Einige Experten empfehlen, in Offenstall- oder Trailhaltungen computergesteuerte Futterstationen oder enge Durchgänge für die Nacht zu schließen. Der Grund: In Paniksituationen könnten die Pferde hektisch in die schmalen Gänge flüchten oder sich gegenseitig bedrängen. Wenn die Laufwege klar, weit und gut einsehbar sind, bleiben Stresssituationen meist deutlich kontrollierbarer.
9. Bleib selbst entspannt
Hier kommt die unbequeme Wahrheit: Dein Pferd merkt sofort, wenn du nervös bist. Wenn du wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den Stall wuselst, denkt es sich nur: „Okay, wenn die schon panisch ist, muss ich es wohl auch sein!“ Deshalb ist es an Silvester mindestens genauso wichtig, dass du selbst ruhig bleibst.
Atme also tief durch. Das wirkt tatsächlich, und nein, es ist kein Esoterik-Quatsch. Vermeide zudem hektische Bewegungen und spreche mit ruhiger Stimme, damit dein Pferd merkt, dass keine Gefahr droht. Sei auch präsent, aber übertreibe es nicht mit permanentem Streicheln oder einem fortwährenden „Alles gut“-Geflüster, sonst wird dein Pferd eher unruhig als beruhigt. Und gönn dir auch gerne selbst einen beruhigenden Tee. Baldrian gibt es schließlich nicht nur fürs Pferd!
10. Der After-Silvester-Check
Am Morgen des 1. Januar ist die Arbeit noch nicht ganz vorbei, denn der Neujahrstag verlangt noch einmal ein wachsames Auge von dir. Beginne damit, Paddock und Koppel abzulaufen und alle Raketenreste sorgfältig aufzusammeln. Überprüfe auch noch einmal alle Zäune, um sicherzugehen, dass nichts beschädigt oder instabil geworden ist.
Gönn deinem Pferd an diesem Tag ein ruhiges und entspanntes Programm ohne großen Stress oder Training. Schließlich hat es gerade eine aufregende Nacht hinter sich.
Bonus-Tipp: Die richtige Einstellung macht's
Silvester mit Pferd ist jedes Jahr eine kleine Herausforderung, aber es ist auch eine Chance, die Bindung zwischen euch zu stärken. Wenn du für deinen Vierbeiner da bist, ihm Sicherheit gibst und mit natürlichen Mitteln wie Chill mal unterstützt, dann kann aus der Stress-Nacht eine ruhige Nacht werden.
Und vielleicht sitzt du dann um Mitternacht bei deinem Pferd im Stall, mit Thermoskanne und Wolldecke, während deine Freunde, außer sie haben auch Pferde, mit Sektgläsern anstoßen. Aber mal ehrlich: Ist das nicht eigentlich auch eine schöne Art, ins neue Jahr zu starten? Nur du, dein Pferd, und die Gewissheit, dass du alles getan hast, damit es ihm gut geht. Das ist wahre Tierliebe und die braucht keine Raketen, um zu leuchten.
Ich wünsche dir und deinem Pferd einen entspannten Rutsch ins neue Jahr mit starken Nerven, innerer Balance und ganz viel Gelassenheit!
