Wenn die Temperaturen fallen und die ersten Flocken vom Himmel tanzen, beginnt für viele Pferdebesitzer die große Grübelei: Was braucht mein Pferd im Winter eigentlich? Klar, der Futterplan muss angepasst werden, aber wie genau? Mehr Kraftfutter oder lieber weniger? Oder reicht einfach nur mehr Heu?
In diesem Artikel erfährst du daher, wie die richtige Winterfütterung Pferde gesund, fit und gut gelaunt durch die kalte Jahreszeit bringt. Ohne Kolikrisiko, ohne Überfütterung und mit jeder Menge Praxistipps.

Fehler & Grundprinzipien der Winterfütterung
Im Winter läuft der Pferdekörper auf Hochtouren – allerdings nicht beim Galopp über die verschneite Koppel, sondern beim simplen Warmbleiben. Sobald die Temperaturen nämlich nach unten rutschen, schaltet der Pferdekörper in den Heizmodus. Je kälter es also wird, desto mehr Energie wird verbraucht und je nach Temperatur, Windverhältnissen und Haltungsform kann der Energiebedarf dann schonmal um 20 bis 30 Prozent steigen.
Doch Vorsicht! Mehr Energie heißt nicht automatisch „mehr Kraftfutter reinschaufeln". Das ist einer der häufigsten Fehler in der Winterfütterung: Viele greifen reflexartig zur Müslitüte, vergessen dabei aber, zu prüfen was sie da eigentlich füttern. Gleichzeitig wird oft am Raufutter gespart oder zumindest nicht erhöht, was ein fataler Fehler ist! Denn genau das wärmt von innen und hält die Verdauung am Laufen. Weitere typische Stolperfallen sind zu kaltes Wasser oder minderwertiges, staubiges Heu, das die Atemwege belastet.
Die Anzeichen für eine Unterversorgung zeigen sich dann oft schleichend: Gewichtsverlust trotz normalem Futter, struppiges und glanzloses Fell, weniger Energie und Bewegungsfreude oder Muskelabbau, besonders an Kruppe und Schulter. Hier gilt: Lieber einmal zu viel aufs Pferd schauen als einmal zu wenig! Ein regelmäßiger Check mit dem Auge und notfalls mit dem Maßband hilft, rechtzeitig gegenzusteuern.
Raufutter ist die wichtigste Energiequelle für Pferde
Vergiss also Kraftfutter als Hauptwärmequelle – Heu ist dein beste Freund im Winter! Warum? Weil bei der Verdauung von Raufutter im Dickdarm ordentlich Wärme entsteht. Dieser Fermentationsprozess ist quasi die körpereigene Heizung des Pferdes. Kraftfutter hingegen wird schneller verdaut und liefert zwar kurzfristig Energie, wärmt aber nicht annähernd so gut. Die Wärmeentwicklung bei der Heuverdauung kann die Körpertemperatur um mehrere Grad erhöhen mindestens aber konstant halten und ist somit ein echter Lebensretter bei klirrender Kälte.
Als Richtwerte für die Heuration im Winter gelten mindestens 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich. Bei starker Kälte oder mageren Pferden dürfen es ruhig 2,5 kg oder mehr sein. Ein 600-kg-Pferd braucht also locker 12 bis 15 kg Heu am Tag. Pferde sind zudem darauf ausgelegt, den ganzen Tag kleine Portionen zu fressen, und genau das sollten sie auch im Winter tun können.
Ganz wichtig ist wie immer die Qualität des Heus: Staub, Schimmel im Heu belasten die Atemwege und auch die körpereigene Entgiftung. Gerade im Winter, wenn die Pferde ohnehin mehr Zeit im Stall verbringen, ist staubfreies Heu Gold wert.
Futterrhythmus & Stallmanagement
Pferde sind Dauerfresser oder besser gesagt Dauerfuttersucher, das bedeutet ihr Verdauungssystem ist auf kontinuierliche Raufutteraufnahme ausgelegt. Im Winter ist das noch wichtiger: Eine kontinuierliche Raufuttergabe verhindert Magenprobleme, hält den Stoffwechsel stabil und sorgt dafür, dass die innere Heizung nicht ausgeht. Lange Fresspausen können zu Magenübersäuerung und im schlimmsten Fall zu Magengeschwüren führen. Heu in Netzen mit großen Maschen verlängern die Fresszeit dagegen und sind super für die Beschäftigung und die Verdauung.
Aber Fütterung allein reicht nicht! Das Stallmanagement ist genauso wichtig: Windschutz, trockene Liegeflächen und ausreichend Bewegung sparen Energie und halten das Pferd fit. Ein durchnässtes, frierendes Pferd auf matschiger Koppel verbraucht doppelt so viel Energie wie eines, das trocken und windgeschützt stehen kann. Deshalb lohnt es sich, in vernünftige Unterstände, gute Drainage und ausreichende Befestigung auf den Ausläufen zu investieren.
Heu, Kraftfutter, Öl: Welche Futtermittel im Winter punkten
Manchmal geht's nicht ohne Alternativen, z. B. bei Senioren oder zahnkranken Pferden. Hier kommen Heucobs ins Spiel, wie die vom Biohof Elmengrund (Code: Pförd05). Heucobs sind der Heuersatz Nummer eins, sie sind leicht zu verdauen, staubarm und enthalten eine tolle Vielfalt an Kräutern. Für die richtige Zubereitung sollte man sie mit warmem Wasser mindestens 15 Minuten lang einweichen. Die Konsistenz darf individuell ans Pferd angepasst werden, die einen mögen es breiig, die anderen suppig.
Wer Heu ersetzen will, sollte also auf Heucobs zurückgreifen. Es gibt keine bessere Alternative. Alles andere sind “Extras”.
Kraftfutter: Wann sinnvoll, wann nicht?
Kraftfutter in Form von Hafer oder Gerste haben durchaus ihre Berechtigung. Eine Handvoll Hafer (auch bei Freizeitpferden) schadet nicht, im Gegenteil: Sie kann gerade im Winter eine nette Energiebeigabe sein und sorgt nebenbei für ein paar Nährstoffe mehr. Wenn dein Pferd allerdings richtig arbeitet oder mehr Energie braucht, z. B. weil es ein Sportpferd ist, dann kannst du die Hafermenge auch erhöhen.
Müslis hingegen würde ich eher im Regal stehen lassen. Ehrlich gesagt gibt es kein einziges Fertigmüsli auf dem Markt, das ich guten Gewissens empfehlen könnte. Wenn du also Kraftfutter füttern möchtest, dann lieber klassisch und pur.
Öle, Mineralfutter & Vitamine im Winter
Um die Energiezufuhr zu erhöhen, ohne den Magen zu belasten, eignet sich auch meine Ölsaatenmischung Kraftkörner hervorragend. Sie ist reich an Omega-3-Fettsäuren, verbessert das Fell, die Haut und den Energiehaushalt und liefert konzentrierte Energie, ohne die Darmflora zu stressen. Und dein Geldbeutel wird auch gleich weniger gestresst, denn mit dem Code Pförd sparst du satte 7,5% bei deinem Einkauf.
Außerdem bieten Winterweiden kaum noch Nährstoffe, und selbst gutes Heu kann nicht alle Spurenelemente in ausreichender Menge liefern. Deshalb ist Mineralfutter im Winter Pflicht, nicht nur Kür! Achte besonders auf Selen und Zink für das Immunsystem und die Muskulatur sowie auf Magnesium für die Nervenstärke. Eine gute Ergänzung ist da, meine Mineralquelle.

Darum sind Wasser und Verdauung jetzt kritisch
Wichtig ist, eine ausreichende Wasseraufnahme sicherzustellen. Klingt vielleicht banal, ist aber super essentiell, denn Pferde trinken im Winter oft zu wenig. Kaltes Wasser ist unattraktiv und gefrorene Tränken sowieso. Außerdem haben sie durch die geringere Bewegung weniger Durst. Das Ergebnis sind nicht selten Verstopfungskoliken und Nierenprobleme. Ein Pferd sollte täglich mindestens 20 bis 40 Liter Wasser aufnehmen. Im Winter sinkt diese Menge jedoch oft auf die Hälfte, und das ist gefährlich.
Die Lösung ist allerdings einfacher als gedacht: Angewärmtes Wasser mit einer Temperatur von 8 bis 12 °C wird deutlich besser angenommen. Auch Mash mit viel Flüssigkeit oder eingeweichte Heucobs helfen, die Wasseraufnahme zu steigern. Kontrolliere regelmäßig, ob dein Pferd genug trinkt. Alternativ kannst du gemeinsam mit deinem Pferd auch mal einen Tee trinken. Schnapp dir dazu einfach Kräuter deiner Wahl, gieße sie mit heißem Wasser auf und lass das Ganze dann wieder abkühlen, bis es nur noch handwarm ist.
Kolikprävention
Kälte und weniger Bewegung sind die perfekte Mischung für eine Kolik. Koliken im Winter sind keine Seltenheit, lassen sich aber mit ein paar einfachen Maßnahmen gut vermeiden.
Schau, dass immer ausreichend Heu vorhanden ist. Sorge zudem für ausreichend Bewegung, auch bei Kälte: Mindestens ein täglicher Spaziergang im Schritt tut Wunder. Und ganz wichtig: Füttere immer erst Heu und dann Kraftfutter (wenn es überhaupt notwendig ist).
Atemwege und Immunsystem
Staubarme Fütterung ist im Winter doppelt so wichtig wie im Sommer. Trockene, kalte Luft plus staubiges Heu? Da ist Husten oft vorprogrammiert. Doch nicht nur die Atemwege, auch das Immunsystem deines Pferdes läuft im Winter auf Hochtouren. Denn die Kälte, weniger Sonnenlicht und möglicherweise mehr Stress fordern die körpereigene Abwehr heraus.
Aber ein gut versorgtes Pferd mit ausreichend Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen kann diese Herausforderung meistern. Besonders Vitamin C, Zink und Selen spielen eine wichtige Rolle für starke Abwehrkräfte. Auch ausreichend Bewegung an der frischen Luft und ein stressfreies Umfeld unterstützen das Immunsystem dabei, Krankheitserreger abzuwehren. Zusätzlich kann meine Kräutermischung Atemkraft die Atemwege und bei Husten unterstützen.
Spezial-Tipps für besondere Pferdegruppen
Alte Pferde haben es im Winter besonders schwer. Sie frieren schneller, bauen Muskeln ab und haben oft Zahnprobleme. Ein Heuersatzfutter wie Heucobs sind ihre Lebensretter. Sie sollten gut eingeweicht und auf mehrere Portionen verteilt werden. Regelmäßiges Mash, wie das aus meinen eBooks, unterstützt zudem die Verdauung. Achte besonders auf Gewicht und Kot. Senioren zeigen ihre Probleme oft erst spät. Eindecken kann helfen, Energie zu sparen, aber nur mit einer passenden und trockenen Decke. Mehr zu diesem Thema, wie man Senioren gut durch den Winter bringt, erfährst du in diesem Blogartikel.
Als nächstes haben wir die Kandidaten, die nicht zunehmen, egal was man füttert. Im Winter ist das besonders kritisch. Erhöhe daher die Energiedichte durch mehr Heu, Ölsaaten und eventuell Kraftfutter. Füttere kleine, häufige Mahlzeiten und stelle Raufutter rund um die Uhr bereit.
Und ganz wichtig: Vergiss das Mineralfutter nicht. Ein Mangel an Mineralien, Vitaminen oder Antioxidantien kann ebenfalls eine Zunahme verhindern. Mindestens genauso entscheidend ist allerdings auch die Eiweißversorgung! Eiweiß ist nicht nur für den Muskelaufbau unverzichtbar, sondern auch für die Thermoregulation und das Immunsystem.
Dünne Pferde haben oft einen erhöhten Eiweißbedarf, weil ihr Körper gegen die Kälte ankämpft und gleichzeitig Muskelmasse aufbauen will. Achte also auf hochwertiges, eiweißreiches Futter wie gutes Heu (besonders Luzerne oder Esparsette) oder spezielle Eiweißergänzungen. Ein Mangel an essentiellen Aminosäuren kann das Zunehmen massiv bremsen, auch wenn die Energiezufuhr eigentlich stimmt.
Fazit: Dein Winterfütterungs-Spickzettel
Die Winterfütterung bei Pferden richtig hinzubekommen, ist gar nicht so kompliziert, wenn man die Basics beachtet. Raufutter ist dabei der King und auch angewärmtes Wasser darf niemals fehlen. Passe die Energie individuell an, aber bitte nicht reflexartig mit Kraftfutter, sondern überlegt und bedarfsgerecht. Mineralien sind im Winter Mangelware und müssen über eine gute, natürliche Mineralergänzung ergänzt werden.
Die Kolikprävention gelingt durch viel Bewegung und ausreichend Flüssigkeit. Und ganz wichtig: Jedes Pferd ist anders! Senior, Sportler oder Stoffwechselkandiat – jeder braucht eine individuelle Lösung.
Beobachte dein Pferd genau, reagiere auf Veränderungen und scheue dich nicht, im Zweifel einen Tierarzt oder einen Futterberater zu Rate zu ziehen.
Checkliste: 10 praktische Tipps für die tägliche Winterfütterung
- Heu ad libitum: Raufutter sollte immer verfügbar sein
- Qualitätskontrolle: Heu regelmäßig auf Schimmel und Staub prüfen
- Wasser checken: Mindestens 2x täglich. Es sollte nicht gefroren/zu kalt sein
- Gewicht im Blick: Wöchentlich mit Augenmaß oder sogar Fotos dokumentieren
- Bewegung: Auch bei Kälte ist mindestens Schritt im Gelände Pflicht
- Eindecken nach Bedarf: Nur wenn nötig und immer passend
- Mash-Tag: Falls schnell viel Energie ins Pferd muss
- Mineral-Check: Passt die Mineralversorgung zum individuellen Bedarf?
- Beobachten: Fell, Kot, Verhalten – dein Pferd zeigt dir, ob's passt
Die Winterfütterung ist kein Hexenwerk, aber sie verlangt Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit. Jedes Pferd ist anders und sollte daher individuell betrachtet werden. Ist das gewährleistet, steht einem gesunden, warmen Winter nichts mehr im Weg!
