Kamille? Das ist doch dieses langweilige Oma-Kraut, das man trinkt, wenn einem der Bauch wehtut, oder? Falsch gedacht! Denn egal ob ein nervöser Magen, ein hartnäckiger Husten, gestresste Nerven oder eine entzündete Wunde: Kamille kann in so vielen Situationen helfen, dass sie definitiv in jede gut sortierte Stallapotheke gehört.
Und das Beste daran ist, du musst kein Kräuterhexen-Diplom haben, um Kamille richtig einzusetzen. Sie ist unkompliziert in der Anwendung, gut verträglich und lässt sich sogar kostenlos in der Natur sammeln – wenn du weißt, worauf du achten musst. In diesem Guide erfährst du alles über die verschiedenen Anwendungsformen, die richtige Dosierung aber auch wann du lieber die Finger von der Kamille lassen solltest.

Die verschiedenen Arten und Bezugsquellen der Kamille
Wenn wir von Kamille sprechen, meinen wir meistens die Echte Kamille (Matricaria chamomilla). Denn sie ist die Powerfrau unter den Kamillen und für Pferde am besten geeignet. Die Echte Kamille erkennst du an ihren charakteristischen weißen Zungenblüten mit gelben Körbchen in der Mitte. Aber Achtung: Das allein reicht nicht zur Bestimmung aus!
Der entscheidende Trick ist: Pflücke eine Blüte und schneide das gelbe Körbchen längs durch. Ist es innen hohl? Jackpot – du hast die Echte Kamille gefunden! Ist es dagegen ausgefüllt? Dann könnte es sich um die weniger wirksame Hundskamille oder Strahlenlose Kamille handeln.
Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) ist die etwas zickigere Schwester. Sie wächst niedriger, duftet intensiver und hat ein ausgefülltes Blütenkörbchen. Auch sie hat heilende Eigenschaften, aber die Echte Kamille schlägt sie in puncto Wirksamkeit um Längen. Für Pferde würde ich immer zur Echten Kamille greifen – sie ist sanfter, besser erforscht und in größeren Mengen verfügbar.
Lieber sammeln oder kaufen?
Die beste Sammelzeit ist von Mai bis September. Such dir dafür sonnige Standorte wie Feldraine, Wegränder oder extensive Wiesen. Doch bitte pflücke die Pflanze NIE direkt an Straßen (wegen der Abgase!), auf konventionellen Äckern (wegen der Pestizide!) oder in Naturschutzgebieten.
Ernte nur die Blütenköpfe morgens nach dem Tau und trockne sie anschließend. Dafür breitest du deine Ausbeute einfach luftig im Schatten aus (nicht in der Sonne, denn das zerstört die Wirkstoffe!). Nach ca. 3-7 Tagen kannst du die Blüten in dunkle, luftdichte Gläser füllen. Die Haltbarkeit liegt dann etwa bei einem Jahr.
Wenn du keine Zeit/Lust zum Sammeln hast und sie lieber kaufen möchtest, dann achte unbedingt auf Bio-Qualität! Apotheken-Qualität (Arzneibuch-Standard) ist ideal für therapeutische Anwendungen. Achte auch auf ganze Blüten mit intensiver Farbe, starkem Duft und aktueller Ernte. Gute Bezugsquellen können Apotheken, Bio-Läden, spezialisierte Kräuterhändler oder direkt von Kräuterbauern sein. Finger weg von Billig-Tees ohne Herkunftsangabe!
Die innere Anwendung: Für Magen, Darm und Atemwege
Hier glänzt die Kamille richtig! Denn ihr größtes Talent liegt in der Magenpflege. Die Schleimstoffe legen sich wie ein Schutzfilm über die empfindliche Magenschleimhaut, während die ätherischen Öle Entzündungen hemmen und Krämpfe lösen. Bei Magengeschwüren kann Kamillentee unterstützend wirken – natürlich nicht als Ersatz für die tierärztliche Behandlung, aber als sinnvolle Begleitung.
Auch bei leichten Bauchschmerzen (Achtung: Bei akuter Kolik IMMER den Tierarzt rufen!) kann Kamille krampflösend wirken. Die Muskulatur im Verdauungstrakt entspannt sich und Blähungen lösen sich leichter. Viele Pferdebesitzer schwören auf eine Tasse lauwarmen Kamillentee bei den ersten Anzeichen von Bauchgrummeln.
Bei Gastritis (entzündete Magenschleimhaut) ist Kamille ebenfalls Gold wert. Sie beruhigt, lindert Schmerzen und fördert die Heilung. Besonders in Kombination mit anderen Magenkräutern entfaltet sie ihre volle Kraft: Fenchel wirkt entblähend, Anis entspannt und Kümmel löst Krämpfe. Diese Kräuter-Kombi ist wie eine Wellness-Kur für den Pferdemagen!
Atemwege befreien: Kamille bei Husten & Bronchitis
Kamille ist nicht nur Magen-Expertin, sondern auch Atemwegs-Spezialistin! Die ätherischen Öle wirken schleimlösend und entzündungshemmend – perfekt also bei hartnäckigem Husten oder chronischen Atemwegsproblemen.
Dabei kannst du Kamille auf zwei Arten einsetzen:
Ein Kamillentee unterstützt von innen heraus. Die Wirkstoffe gelangen über den Blutkreislauf auch in die Bronchien und können dort ihre entzündungshemmende Wirkung entfalten. Allerdings ist dieser Weg eher indirekt.
Die Inhalation ist dagegen der direkte Weg und die Königsdisziplin, wenn du Kamille bei Atemwegsproblemen anwenden willst! Denn die ätherischen Öle gelangen ohne Umwege in Nase, Luftröhre und Bronchien und haben so eine höhere Wirkstoffkonzentration + eine schnellere Wirkung als bei innerlicher Gabe.
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Der Nerven-Beruhiger: Kamille gegen Stress
Kamille wirkt nicht nur auf Magen und Lunge, sondern auch auf die Psyche. Die Flavonoide (vor allem Apigenin) haben eine mild beruhigende Wirkung auf das Nervensystem, weshalb sie Kamille zum perfekten Helfer für nervöse, unruhige oder gestresste Pferde machen.
Typische Stress-Symptome bei Pferden sind:
- Übermäßiges Schwitzen
- Kotwasser (mehr dazu in meinem Kotwasser-Artikel)
- Unruhe, Nervosität
- Verspannungen
- Schreckhaftigkeit
- Magenprobleme durch Stress
Kamille nimmt die Spitzen aus dem Stress-Level, ohne dein Pferd komplett sediert oder müde zu machen. Sie wirkt eher ausgleichend und harmonisierend und kann bei Turnierstress, einem Stallwechsel oder Herdendynamik-Problemen ein echter Segen sein.
Wenn du deinen gestressten Vierbeiner noch intensiver unterstützen möchtest, dann schau dir Chill mal an. Diese speziell von mir entwickelte Kräutermischung (die ebenfalls Kamille enthält) kann für mehr Gelassenheit, Nervenstärke und innere Balance sorgen und so das Wohlbefinden deines Pferdes steigern.

Die äußere Anwendung: Wundpflege, Haut & Augen
Die weiße Blüte mit ihrem gelben Korb kann jedoch nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich wahre Wunder wirken! Ihre antiseptische und wundheilungsfördernde Wirkung macht sie zum idealen Helfer bei kleinen Verletzungen, Hautreizungen und Entzündungen.
Ein Kamillenaufguss zur Wundspülung ist dabei schnell gemacht:
- 3-4 EL getrocknete Kamillenblüten mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen
- 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen
- Abseihen und auf körperwarme Temperatur abkühlen lassen
- Mit einem sauberen Tuch oder Watte die Wunde vorsichtig spülen
Vor allem eignet sich Kamille hervorragend bei:
- Kleinen Schürf- und Schnittwunden
- Hautirritationen (z.B. nach Insektenstichen)
- Ekzemen und Hautausschlägen
- Sommerekzem (lindert den Juckreiz)
- Pilzinfektionen (unterstützend zur Behandlung)
- Mauke (als begleitende Spülung)
Augenspülung: Sanfte Hilfe bei gereizten Augen
Ein Kamillenaufguss wird oft zur Augenspülung bei leicht gereizten Pferdeaugen empfohlen. Das kann bei leichten Bindehautentzündungen, tränenden Augen oder nach Staub im Auge hilfreich sein.
ABER – und das ist extrem wichtig:
- STERIL arbeiten! Koche das Wasser ab und verwende sterile Kompressen
- NUR lauwarmen Aufguss verwenden (nie heiß!)
- Pro Auge eine frische Kompresse (damit keine Keimübertragung entsteht!)
- Nur bei leichten Reizungen anwenden
Wann du NICHT selbst behandeln solltest:
- Bei eitrigem Ausfluss
- Bei starker Schwellung
- Bei Verletzungen am Auge
- Wenn das Pferd das Auge zukneift (Schmerz!)
- Bei Hornhautverletzungen (trübes Auge)
- Bei Verdacht auf Fremdkörper im Auge
In all diesen Fällen gilt: Sofort zum Tierarzt! Denn Augen sind empfindlich und hier ist keine Zeit für Selbstversuche.
Dosierung & Zubereitung – So machst du's richtig
Die Standarddosierung für getrocknete Kamillenblüten liegt bei ca. 20-50 g pro Tag für ein Pferd (ca. 500 kg). Bei Ponys oder kleineren Pferden ist es entsprechend weniger.
Wenn die Beschwerden akut sind (z. B. bei Magenverstimmungen) dann kannst du ruhig 2-3x täglich für 3-5 Tage die Kamille verfüttern. Als Kur (z. B. bei chronischen Problemen) empfehle ich 1-2x täglich für 2-4 Wochen und danach eine Woche Pause.
Die Dosierung bei frischer Kamille liegt bei etwa 60-150 g pro Tag. Der Mengenunterschied kommt daher, dass frische Kamille mehr Wasser enthält und du dementsprechend auch mehr davon brauchst.
Getrocknete Kamille hat einen höheren Gehalt an ätherischen Ölen pro Gramm, weil das Wasser entzogen wurde. Allerdings können beim Trocknen auch Wirkstoffe verloren gehen, wenn es zu heiß oder zu langsam passiert ist. Korrekt getrocknete Kamille (schattig, luftig, zügig) ist jedoch genauso wirksam wie frische – nur eben konzentrierter.
Einweichen, aufgießen oder direkt füttern?
Das ist so pauschal leider nicht ganz einfach zu beantworten. Denn jede der drei Zubereitungsformen hat ihre Vor- und Nachteile:
Wenn du die Kamille als heißen Aufguss (heißer Tee) verwendest hast du die beste Wirkstoffausbeute, die ätherischen Öle lösen sich optimal und es ist bei Magen- und Atemwegsproblemen ideal. Allerdings ist es auch zeitaufwändiger und der Tee muss abkühlen, bevor du ihn deinem Pferd geben kannst.
Entscheidest du dich, sie über Nacht einweichen zu lassen, ist das schonender für die hitzeempfindlichen Wirkstoffe, weniger Aufwand (abends ansetzen, morgens füttern) und gut bei Anwendungen auf der Haut. Jedoch lösen sich hier nicht alle Wirkstoffe so gut.
Und wenn du sie lieber direkt trocken ins Futter geben möchtest hast du keinen Aufwand und die volle Wirkstoffpalette bleibt dir erhalten. Andererseits hast du auch eine geringere Bioverfügbarkeit, manche Pferde sortieren sie aus und bei aktuen Problemen ist diese Zubereitungsart eher nicht geeignet.
Meine Empfehlung ist daher:
- Bei Magen/Darm-Problemen: Heißer Tee
- Bei Atemwegen: Heißer Tee oder Inhalation
- Bei Stress: Heißer Tee oder direkt ins Futter
- Äußerlich: Immer Aufguss (heiß, dann abgekühlt)
- Prophylaktisch: Gerne direkt ins Futter
Fazit: Kamille gehört in jede Stallapotheke
Kamille ist so viel mehr als nur "das Oma-Kraut"! Sie ist ein echtes Multitalent, das bei Magen-Darm-Problemen, Atemwegserkrankungen, Stress, Wunden und Hautreizungen helfen kann. Dabei ist sie sanft, gut verträglich und – wenn du sie selbst sammelst – sogar kostenlos.
Das Schöne daran: Sie ist unkompliziert in der Anwendung. Egal ob als Tee, direkt ins Futter, zur Inhalation oder äußerlich als Spülung – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Und das Beste: Die meisten Pferde vertragen Kamille problemlos und mögen den milden Geschmack sogar.
Aber – und das ist wichtig: Kamille ist kein Wundermittel und ersetzt weder den Tierarzt noch eine artgerechte Haltung und Fütterung. Sie ist lediglich eine wunderbare Ergänzung zu einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept.
Mein Tipp: Leg dir einen kleinen Vorrat an hochwertiger Bio-Kamille zu – sei es selbst gesammelt und getrocknet oder aus der Apotheke. Wenn dein Pferd mal Bauchgrummeln hat, gestresst ist oder hustet, hast du sofort eine natürliche Hilfe zur Hand.
