Das Hufrollensyndrom gehört zu den häufigsten Ursachen chronischer Lahmheit beim Pferd und gilt bei vielen Pferdebesitzern trotzdem als eine der missverstandenen Diagnosen überhaupt. Denn sie ist weder so einfach wie "einmal Kortison und Problem gelöst" noch so hoffnungslos wie ihr Ruf scheint. Sie liegt irgendwo dazwischen.
Und genau dieser Zwischenraum ist es, in dem du als Pferdebesitzer den größten Unterschied machen kannst. Was viele jedoch nicht wissen: Diese Erkrankung betrifft bei weitem nicht nur alte oder überarbeitete Pferde. Auch junge oder gut gehaltene Sportpferde können betroffen sein.
Warum das so ist, wie du die ersten Zeichen erkennst, was die Diagnose "Hufrolle" wirklich bedeutet – und was naturnahes Management damit zu tun hat – das erfährst du in diesem Artikel.

Was ist Hufrolle? (Und warum gibt es sie gleich vier Mal?)
Hier kommt eine Kleinigkeit, die viele nicht wissen: Jedes Pferd hat vier Hufrollen – in jedem Huf eine. Die Hufrolle ist also zunächst mal eine ganz normale anatomische Struktur, kein Krankheitsbegriff und besteht aus drei Hauptkomponenten: dem Strahlbein (ein kleiner, schiffchenförmiger Knochen), dem Hufrollenschleimbeutel (eine Art Stoßdämpfer-Kissen) und dem unteren Anteil der tiefen Beugesehne, die bei jedem Schritt über das Strahlbein gleitet.
Dieses System funktioniert wie ein ausgeklügelter Stoßdämpfer: Bei jedem Schritt fängt es das Gewicht des Pferdes auf, federt es ab und verteilt anschließend die Kräfte. Bei einem gesunden 500-kg-Pferd läuft dieser Prozess täglich 1.000 Male unter erheblicher Last ab.
Wenn dann Teile dieser Struktur sich entzünden oder degenerieren, sprechen wir vom Hufrollensyndrom oder auch Podotrochlose genannt. Es handelt sich dabei nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um einen Oberbegriff für verschiedene Veränderungen in diesem Bereich – von der akuten Entzündung des Schleimbeutels bis hin zu Knorpelschäden am Strahlbein.
Ursachen und Symptome, die du kennen solltest
Warum bekommt ein Pferd überhaupt Hufrolle? Die ehrliche Antwort lautet: Das ist nicht immer eindeutig zu klären. Aber es gibt klare Risikofaktoren, die wir heute gut kennen:
Überlastung und Fehlbelastung stehen ganz oben auf der Liste. Ein Pferd, dessen Bewegungsapparat auf schnelle Geradeausbewegung ausgelegt ist, wird beim Reiten häufig in engen Bögen und Wendungen belastet – genau das, was die Hufrolle besonders beansprucht. Kein Wunder also, dass Wildpferde so gut wie nie an Hufrolle erkranken, während unsere Reitpferde hingegen sehr häufig davon betroffen sind.
Falsche oder fehlende Hufpflege ist ein weiterer Hauptauslöser. Zu steile oder zu flache Hufe, enge Trachten oder eine unregelmäßige Bearbeitung. All das stört die natürliche Hufmechanik und erhöht den Druck auf das Strahlbein und die Beugesehne massiv.
Bewegungsmangel ist ebenfalls ein echter Risikofaktor. Ein Pferd, das stundenlang in der Box steht, hat eine schlechte Durchblutung im Huf. Und eine schlechte Durchblutung bedeutet eine schlechte Nährstoffversorgung aller Strukturen – inklusive der Hufrolle.
Übergewicht belastet jeden Schritt zusätzlich und verstärkt die Fehlbelastung. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle – besonders Pferde mit kleinen Hufen im Verhältnis zur Körpermasse sind prädisponiert.
Nährstoffmängel in der Aufzucht können ebenfalls den Grundstein legen. Eine Fehlversorgung mit bestimmten Spurenelementen in der Entwicklungsphase hinterlässt manchmal Spuren, die erst Jahre später sichtbar werden.
Symptome: Was du sehen, hören und fühlen kannst
Das Tückische an der Hufrolle ist, dass sie sich oft sehr schleichend entwickelt. Kein dramatischer Zusammenbruch, kein offensichtlicher Moment – stattdessen eine langsame Verschlechterung, die man leicht übersieht oder falsch deutet.
Frühe Zeichen, die du nicht ignorieren solltest:
- Dein Pferd kommt klamm aus der Box und läuft sich erst "warm" – nach ca. 10-15 Minuten wirkt es besser
- Es stolpert häufiger, besonders auf hartem Boden
- Es verkürzt seinen Schritt und wirkt irgendwie "gesperrt"
- Es zeigt Unlust vor Sprüngen oder bei der Landung
- Im Stand stellt es ein oder beide Vorderbeine nach vorne gestreckt heraus
Viele Pferdebesitzer denken bei diesen Zeichen zuerst an die Schulter. Das liegt daran, dass die Hufrolle oft auch beide Vorderbeine gleichzeitig betreffen kann und eine beidseitige Lahmheit ist für den Laien ungleich schwerer zu erkennen als eine einseitige.
Deutliche Symptome im fortgeschrittenen Stadium:
- Klarer Wendeschmerz: In Volten und engen Kreisen lahmt das Pferd sichtbar
- Verstärkte Lahmheit auf hartem Boden, Verbesserung auf weichem Untergrund
- Wärme im Hufbereich und gelegentlich eine leichte Schwellung am unteren Beinapparat
- Bei einseitigem Befall: deutliche Lahmheit auf dem betroffenen Bein
Bitte beachten: Die endgültige Diagnose kann nur dein Tierarzt stellen!

Ist Hufrolle heilbar?
Die Wahrheit ist: Es gibt nicht die eine Antwort. Bestehende degenerative Schäden an Knochen und Knorpel sind nicht rückgängig zu machen. Das ist Fakt. Denn einmal veränderte Strukturen regenerieren sich nicht mehr vollständig.
Aber – und das ist entscheidend – das bedeutet nicht, dass dein Pferd keine gute Lebensqualität mehr haben kann. Die Hufrolle ist in vielen Fällen kein Todesurteil, sondern eine chronische Erkrankung, die mit dem richtigen Management sehr gut unter Kontrolle gebracht werden kann.
Die Prognose hängt also stark davon ab:
- Wie früh die Diagnose gestellt wird – im Frühstadium sind die Chancen deutlich besser
- Welche Strukturen betroffen sind – eine Schleimbeutelentzündung allein ist “besser” als Sehnenschäden
- Wie konsequent das Management umgesetzt wird – hier liegt der größte Hebel in deinen Händen
Magnetfeldtherapie: Durchblutung fördern und Entzündung bremsen
Neben der Schulmedizin und der orthopädischen Hufbearbeitung gibt es allerdings noch andere Möglichkeiten, dein Pferd zu unterstützen. Denn wer die Hufrolle wirklich verstehen will, muss wissen, dass eines der Kernprobleme eine gestörte Durchblutung im Hufrollenbereich ist. Und eine schlechte Mikrozirkulation bedeutet: weniger Nährstoffe kommen an, weniger Entzündungsstoffe werden abtransportiert und es erfolgt eine schlechtere Regeneration. Um dem entgegenzuwirken, setzt genau hier die Magnetfeldtherapie an – sie verbessert die Mikrozirkulation bis in die kleinsten Blutgefäße.
In der Praxis bedeutet das, dass die betroffenen Strukturen besser versorgt werden, Entzündungsprozesse gebremst werden und sich die chronisch verspannte Muskulatur entspannt. Viele Pferdebesitzer berichten, dass ihre Pferde während der Behandlung sichtlich abkauen, dösen und loslassen – schöner kann Regeneration kaum aussehen.
Die BEMER-Magnetfelddecke ist dabei eines der am häufigsten empfohlenen Geräte auf dem Markt. Sie ist einfach anzuwenden, stressfrei für das Pferd und kann problemlos in den Stallalltag integriert werden. Als ergänzende, völlig medikamentenfreie Maßnahme ist sie besonders bei chronischen Verläufen eine echte Bereicherung.
Doch auch hier ist nochmal wichtig zu erwähnen, dass sie kein Ersatz für eine tierärztliche Behandlung darstellt, sondern lediglich eine sinnvolle Ergänzung ist.
Kräuter: Was die Natur gegen Entzündungen zu bieten hat
Die Pflanzenwelt hat einige echte Schwergewichte im Gepäck, wenn es um Entzündungshemmung und Durchblutungsförderung geht. Dabei ist die Teufelskralle wohl der bekannteste Kandidat. Sie wirkt entzündungshemmend, aber ohne belastende Nebenwirkungen auf Magen und Leber. Weidenrinde ist ebenfalls ein bewährter Entzündungshemmer aus der Natur. Ginkgo unterstützt gezielt die Durchblutung in den Extremitäten – also genau dort, wo wir bei der Hufrolle ansetzen wollen, und die Brennnessel rundet das Ganze mit ihrer stoffwechselaktivierenden Wirkung ab.
Hufrolle vorbeugen: Dein naturnahes Präventionsprogramm
Das Pferd ist ein Lauftier und bewegt sich in freier Wildbahn mehr als 16 Stunden am Tag. Aus diesem Grund ist eine Offen- oder Aktivstallhaltung auch nicht nur ein netter Luxus, sondern bedeutet echte Prävention. Denn konstante Bewegung bedeutet konstante Durchblutung, ein gesundes Hornwachstum und ein natürlich trainiertes Sehnen-Bänder-System.
Eine Boxenhaltung mit nur einer Stunde Paddock ist dagegen leider kein ausreichender Ausgleich. Natürlich ist mir bewusst, dass nicht jeder die Möglichkeit auf einen Offen-/Aktivstall hat. Falls das bei dir auch der Fall ist, dann sorge bitte wenigstens für maximalen täglichen Auslauf und möglichst viel freie Bewegung.
Fütterung: Entzündungen von innen bekämpfen
Eine entzündungshemmende, naturnahe Ernährung ist ein echter Gamechanger – nicht nur bei Hufrolle, sondern für die gesamte Gesundheit deines Pferdes.
Raufutter als Basis: Hochwertiges Heu! Denn Dauerfuttersucher brauchen kontinuierlich kleine Mengen Futter und keine langen Fresspausen, die den Stoffwechsel stören und die Entzündungsbereitschaft erhöhen.
Zucker raus, Entzündungen runter: Überschüssiger Zucker im Futter fördert die systemische Entzündungsbereitschaft im ganzen Körper. Melassiertes Futter, zu viel Kraftfutter und zuckerreiche Leckerlis haben bei gefährdeten Pferden daher nichts zu suchen. >> Klicke hier, wenn du stattdessen gesunde Schmeckis möchtest <<
Spurenelemente für starke Strukturen: Zink, Kupfer, Mangan und Selen sind essentiell für gesunden Knorpel, belastbare Sehnen und ein elastisches Bindegewebe. Eine gute Mineralisierung, die zusätzlich noch auf dein Heu abgestimmt ist, macht hier den Unterschied.
Regelmäßige Hufpflege: Kein Verhandlungsspielraum
Alle 4-6 Wochen heißt es: Hufbearbeitung. Nicht dann, wenn's mal passt, sondern konsequent. Eine korrekte Hufstellung ist der beste mechanische Schutz für die Hufrolle. Such dir also jemanden, der die Hufmechanik wirklich versteht und nicht nur "verschönert".
Fazit: Du hast mehr Einfluss als du denkst
Die Hufrolle ist kein Schreckgespenst, wenn du weißt, was du tust. Sie ist eine ernste, chronische Erkrankung - aber eine, bei der du als Pferdebesitzer einen riesigen Einfluss hast.
Schwierig wird es, wenn die Erkrankung sehr spät erkannt wird, wenn schwere Sehnenschäden vorliegen oder wenn alle Behandlungsversuche scheitern und das Pferd dauerhaft unter erheblichen Schmerzen leidet.
Aber mit einer frühzeitigen Diagnose, einem konsequentem Management und einem guten Team aus Tierarzt, Hufbearbeiter und dir als engagierten Pferdebesitzer haben viele Pferde mit Hufrolle noch einige gute Jahre vor sich.
Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Hufrolle oder anderen Erkrankungen wende dich bitte immer zuerst an deinen Tierarzt
