Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Symptome & was wirklich hilft

Hufrehe. Diese drei Silben lassen jeden Pferdemenschen erschaudern und das auch aus gutem Grund. Denn Hufrehe gehört zu den schmerzhaftesten Erkrankungen unserer Vierbeiner. Aber – und das ist die gute Nachricht – sie ist in vielen Fällen eine Zivilisationskrankheit, die wir durch eine artgerechte Haltung und naturnahe Fütterung verhindern können.

Doch lass uns erst noch ehrlich sein: Die meisten Artikel über Hufrehe lesen sich wie medizinische Lehrbücher. Sie sind wichtig, ja. Aber hilfreich im Alltag? Eher nicht. 

Deshalb bekommst du hier den praxisnahen Guide, den du wirklich brauchst – mit allem, was du über Hufrehe wissen musst, aber ohne dass du dafür ein Tiermedizin-Studium absolvieren musst.

Was ist Hufrehe eigentlich?

Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut. Genauer gesagt ist es eine Entzündung der blättchenartigen Verbindungsschicht zwischen der äußeren Hornkapsel und dem inneren Hufbein. Stell dir das wie einen extrem präzisen Klettverschluss vor, der das Hufbein in der Hornkapsel "schweben" lässt. Wenn sich diese Verbindung entzündet, schwillt alles an. Das Problem? In der festen Hornkapsel kann sich nichts ausdehnen. Es entsteht ein enormer Druck, die Durchblutung wird gestört, und dein Pferd hat Höllenqualen. Der Name kommt übrigens vom althochdeutschen Wort "räh" – was so viel wie "steif" bedeutet. 

Im schlimmsten Fall, wenn die Entzündung nicht schnell gestoppt wird, kann sich das Hufbein von der Hornkapsel lösen. Es rotiert oder senkt sich dann ab und kann sogar durch die Sohle brechen. Das nennt man dann "Ausschuhen" und ehrlich gesagt ist das der absolute Albtraum jedes Pferdebesitzers.

Die unbequeme Wahrheit: Wir Menschen sind oft schuld

In freier Wildbahn kommt Hufrehe kaum vor. Bei unseren domestizierten Pferden ist sie dagegen eine der häufigsten Erkrankungen. Warum? Weil wir aus Steppentieren, die 16 Stunden am Tag karges Gras knabbern sollten, Weide-Gourmets gemacht haben, die auf hochgezüchteten Energiewiesen stehen.

Die häufigsten Ursachen für Hufrehe sind…

  • Futterrehe (der Klassiker): Zu viel Zucker, Stärke oder Fruktane überfordern den Dickdarm. Die Darmflora kippt, Bakterien sterben ab, Endotoxine werden frei und gelangen über die geschädigte Darmwand ins Blut. Von dort wandern sie bis in die Huflederhaut und – Boom – Entzündung.
  • Stoffwechselbedingte Hufrehe: EMS (Equines Metabolisches Syndrom) und Cushing (PPID) sind mittlerweile echte Volkskrankheiten bei Pferden. Außerdem können sie auch mit Insulinresistenz einhergehen und chronisch erhöhte Entzündungswerte lassen die Hufe extrem anfällig werden.
  • Belastungsrehe: Wenn ein Pferd wegen einer Verletzung am anderen Bein dauerhaft auf drei Beinen steht, kann der überbelastete Huf eine Rehe entwickeln. Auch stundenlanges Laufen auf hartem Boden kann Probleme machen.
  • Vergiftungsrehe: Giftpflanzen, Medikamente (hallo, Cortison-Bomben!), aber auch die Vergiftung durch den eigenen Körper. Das passiert dann, wenn Toxine nicht mehr ausreichend abtransportiert werden können und im Körper verbleiben.

Symptome: Wann musst du SOFORT handeln?

Die Initialphase ist tückisch, denn ein Pferd zeigt oft keine eindeutigen Symptome. Vielleicht hebt es nur die Hufe etwas häufiger, ist beim Hufe geben “zickiger” oder läuft auf hartem Boden etwas langsamer als sonst. Diese Phase kann wenige Stunden oder mehrere Tage dauern.

Die akute Phase ist dann eindeutig:

    • Charakteristische sägebockartige Stellung: Die Vorderbeine nach vorn gestreckt, die Hinterbeine unter den Bauch platziert und das Gewicht liegt auf der Hinterhand
    • "Trachtenfußen": Das Pferd versucht verzweifelt, die schmerzhafte Zehenspitze zu entlasten
    • Warme bis heiße Hufe, besonders am Kronrand
    • Pochende Pulsation der Arterien am Fesselkopf (lern das zu ertasten – es kann lebensrettend sein!)
    • Schmerzen bei der Hufzangenprobe
    • Lahmheit, steifer Gang, extreme Widerwilligkeit bei Wendungen
    • Das Pferd liegt viel oder will sich gar nicht bewegen
    • Manchmal sogar kolikähnliche Symptome wegen der Schmerzen

Hier gilt: Tierarzt. Sofort. Keine Diskussion.

Die ersten 48-72 Stunden sind nämlich entscheidend. Je schneller die Entzündung gestoppt wird, desto geringer sind die Dauerschäden.

Was tun bei akuter Hufrehe? 

Du vermutest Hufrehe? Dann ist Tempo gefragt. Hier ist dein Notfallplan: 

Zuerst: Tierarzt anrufen!

  1. Pferd auf weichen Untergrund stellen (dicke Späne, Sand, Torf)
  2. Kühlen, kühlen, kühlen: Crushed Ice oder gefrorene Erbsen in Handschuhe/Beutel füllen, um den Kronsaum ALLER vier Hufe legen und alle 2 Stunden wechseln. Studien zeigen, dass Temperaturen um die 2°C optimal sind. Einfach nur normales Leitungswasser reicht daher nicht!
  3. Bewegung minimieren – raus aus der Herde, eine Box ist jetzt okay
  4. Futter sofort umstellen: Kein Kraftfutter, kein Weidegang, nur Heu (am besten gewässert, um den Zucker zu reduzieren, Kräuter nach Bedarf)
  5. Nicht in Panik verfallen – du bist nicht allein, und mit schnellem Handeln sind die Chancen gut

Hufrehe behandeln: Der lange Weg zurück

Ihr habt die akute Phase überstanden? Glückwunsch – aber jetzt beginnt erst die eigentliche Arbeit. Denn ein Pferd, das einmal Hufrehe hatte, bleibt ein Leben lang anfälliger dafür.

Die Hufpflege ist jetzt das A und O: Hier scheiden sich jedoch die Geister. Die einen sagen Trachtenerhöhung, die anderen Trachtenkürzung, die einen wollen Eisen, die anderen Barhuf. Die Wahrheit? Es kommt auf dein Pferd an. Such dir einen Schmied oder Hufpfleger, der Erfahrung mit Rehepferden hat und gemeinsam mit deinem Tierarzt zusammenarbeitet. Eine regelmäßige Kontrolle und flexible Anpassung sind jetzt Pflicht.

Die Fütterung ist die zweite Säule: Eine strenge Zucker- und Stärkereduktion ist jetzt wichtig. Aber – und das wird oft vergessen – es geht nicht nur ums Weglassen, sondern auch ums richtige Zuführen. Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Selen und Mangan sind essentiell für das Bindegewebe, welches das Hufbein trägt. Eine gute Mineralisierung ist daher Gold wert!

Prävention: Naturnahe Fütterung als Gamechanger

Jetzt wird's spannend, denn die echte Power liegt  in der Prävention. Und die beginnt mit naturnaher Fütterung beim Pferd. Wenn du verstehst, wie ein Pferd in der Natur frisst, verstehst du auch, wie du Hufrehe beim Pferd vorbeugen kannst.

Das Heu ist der King – aber nicht jedes Heu ist gleich

Dein Pferd ist ein Dauerfuttersucher und ca. 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht sind das absolute Minimum. Aber Achtung: Nicht jedes Heu ist rehesicher. Im Idealfall lässt du dein Heu analysieren. Hohe Zucker- und Fruktanwerte? Dann wässere es für 30-60 Minuten. Das reduziert wasserlösliche Kohlenhydrate immerhin um bis zu 30%. Langfristig solltest du dich allerdings nach einer Alternative umschauen. Mehr zum Thema Raufutter erfährst du hier.  

Weidemanagement: Timing ist alles

Frühjahr und Herbst sind die gefährlichsten Zeiten für Hufrehe beim Pferd. Wenn die Nächte kalt sind und die Tage sonnig, lagert das Gras massiv viel Fruktan ein – quasi als Frostschutz. Doch das ist genau das, was wir nicht wollen. Das Gleiche passiert übrigens auch im Sommer bei Trockenstress. Richtiges Weidemanagement ist daher der Schlüssel, um Hufrehe beim Pferd vorzubeugen. Und wie du das am besten anstellst, erfährst du in diesem Blogartikel.

Kraftfutter: Weniger ist mehr

Viele Freizeitpferde brauchen oft gar kein Kraftfutter. Denn Heu und vielfältige natürliche Zusätze reichen meistens völlig aus. Wenn dein Pferd aber doch mal mehr Energie brauchen sollte, dann setze lieber auf eine hochverdauliche Stärke (Hafer). 

Mineralisierung: Der unterschätzte Game-Changer

Eine optimale Versorgung mit Spurenelementen stabilisiert nicht nur die Huflederhaut, sondern auch Darm, Leber und das gesamte Bindegewebe. Ein gute Närstoffversorgung, abgestimmt auf dein Heu, ist daher keine Luxus-Option, sondern eine Basis-Pflege.

Zusätzlich können auch zahlreiche Kräuter unterstützen. Brennnessel ist z. B. gut für den Stoffwechsel und die Durchblutung, Mariendistel für die Leber und Ginkgo für die Durchblutung der Extremitäten. Aber bitte nicht wahllos drauflos füttern – sie sollten daher gezielt eingesetzt werden.

Artgerechte Haltung: Bewegung ist Leben

Hufrehe-Prävention hört allerdings nicht beim Futtertrog auf. Denn wie ein Pferd lebt, ist mindestens genauso wichtig.

Zum einen sollte ein Vierbeiner sich mindestens 16 Stunden am Tag frei bewegen können. Ein Offen- oder Aktivstall ist daher ideal. Eine Boxenhaltung mit einer Stunde Auslauf? Das ist Bewegungsmangel auf Rezept. Und Bewegungsmangel bedeutet: schlechte Durchblutung, träger Stoffwechsel, Übergewicht und ist die perfekte Hufrehe-Einladung.

Zum anderen sollte man einmal ehrlich zu sich selbst sein. Ist das Pferd wirklich nur "gut im Futter" oder tatsächlich einfach schon zu dick? Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren. Eine gesunde und konsequente (aber auch langsame!) Gewichtsreduktion können hier Wunder bewirken.

Fazit: Hufrehe beim Pferd ist kein Schicksal

Ein Pferd mit Hufrehe kann durchaus noch ein gutes Leben haben. Ich kenne Pferde, die nach einem schweren Schub wieder leichte Arbeit machen, ausreiten gehen und ihre Besitzer glücklich machen. Hufrehe bedeutet daher nicht automatisch das Aus – aber es bedeutet ein dauerhaftes und konsequentes Management.

Ist das manchmal unbequem? Ja. Erfordert es, gegen den Strom zu schwimmen und auch mal Nein zu sagen? Absolut. Lohnt es sich dennoch, wenn du dein Pferd schmerzfrei und glücklich siehst? Ohne jeden Zweifel.

Und wie so oft gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

 

 

 

Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Hufrehe ist sofortige tierärztliche Hilfe unerlässlich. Die hier beschriebenen Präventionsmaßnahmen sollten zudem individuell mit deinem Tierarzt und deinem Hufschmied abgestimmt werden.

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