Wenn's ums Pferdefutter geht, ist kaum ein Thema so umstritten wie Hafer. Für die einen ist er der heilige Gral, für die anderen das pure Teufelszeug. Irgendwo dazwischen stehst du und fragst dich: Ist Hafer jetzt gut für mein Pferd oder macht er es zu einem durchdrehenden Flummi?
In diesem Blogartikel räumen wir mit Mythen auf, bringen Fakten auf den Tisch und lassen dich schmunzelnd erkennen, dass die Wahrheit – wie so oft – irgendwo in der Mitte liegt. Fundiert, praxisnah und ohne Wissenschaftsjargon.

Was ist Hafer und warum füttern wir ihn?
Hafer ist ein Getreide - logisch. Im Gegensatz zu Weizen oder Gerste ist er aber besonders gut verdaulich für Pferde. Die Stärke, die im Hafer enthalten ist, wird im Dünndarm deutlich effizienter aufgespalten, wodurch dein Pferd die Energie schneller nutzen kann.
Das goldene Korn ist zudem nicht nur ein Energielieferant, sondern auch ein echtes Kraftpaket für den Muskelaufbau! Hafer enthält wichtige Aminosäuren wie Lysin oder Biotin (B7) und auch der Rohfaser-Anteil ist nicht zu verachten! Für starke Muskeln und eine gesunde Leber sind diese Stoffe unerlässlich. Dazu kommt ein natürlicher Fettanteil von 5-6%, der als langanhaltende Energiequelle dient – genau wie ein guter Müsliriegel für uns Menschen.
Der Clou dabei: Im Hafer stecken auch pflanzliche Schleimsubstanzen, die wie ein natürlicher Verdauungshelfer wirken können. In der richtigen Menge gefüttert, kann Hafer sogar die Darmtätigkeit positiv anregen - ein Aspekt, den selbst viele Pferdekenner übersehen!
Mythos: “Hafer sticht” - stimmt das wirklich?
Ah, die berühmte Hafer-Zappel-Theorie! Fast jeder Pferdebesitzer hat schon einmal den Satz gehört: "Pass auf, wenn du Hafer fütterst – dann geht dein Pferd ab wie eine Rakete!" Als wäre jedes Haferkorn ein kleiner Booster für ein Pferd-zu-Pegasus-Upgrade.
Was tatsächlich passiert, lässt sich leicht erklären: Hafer liefert schnell verfügbare Kohlenhydrate in Form von Stärke. Diese Energie gelangt rasch ins Blut und kann bei sensiblen oder unausgelasteten Pferden wie ein "Energie-Boost" wirken. Stell dir vor, du isst Traubenzucker auf leeren Magen. Vermutlich würdest du auch nicht entspannt im Bürostuhl sitzen bleiben, sondern eher Ambitionen für spontane Bürogymnastik entwickeln.
Oft wird vergessen, dass Hafer an sich nicht spritzig macht, sondern eine unpassende Fütterung. Bei richtiger Dosierung und guter Integration in den Futterplan reagieren die meisten Pferde überhaupt nicht auffällig. Viele zeigen keinerlei Veränderung im Temperament - im Gegenteil: Bei Pferden mit erhöhtem Leistungsbedarf kann Hafer sogar zu mehr Ausgeglichenheit führen, weil der Energiebedarf endlich gedeckt ist.
Deshalb sollte man nie blind pauschalisieren, sondern genau hinsehen - auf das Pferd, den Trainingszustand, das Fütterungskonzept und natürlich das Management rundherum.
Welcher Hafer kommt ins Pferdefutter?
Wenn wir von verschiedenen Hafersorten sprechen, geht es um weit mehr als nur unterschiedliche Farben. Insbesondere bei der Fütterung von Pferden. Die Unterschiede zwischen den Sorten betreffen nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihre Nährwertprofile, die für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit deines Pferdes entscheidend sein können.
- Gelber Hafer ist am weitesten verbreitet und bietet eine ausgewogene Nährstoffmischung bei mittlerer Nährstoffdichte. Er ist gut verfügbar und preislich attraktiv - sozusagen der Volkswagen unter den Hafersorten.
- Schwarzer Hafer gilt als besonders schmackhaft und energiereich. Er ist besser schälbar und bietet oft eine höhere Qualität der Futterkörner. Quasi der Premium-Sprit für dein Pferd.

Neben diesen bekannten Sorten gibt es noch zahlreiche weitere Varietäten wie Sandhafer, Nackthafer, Rothafer oder Fahnenhafter. Diese unterscheiden sich in ihren Ansprüchen an Boden und Klima, aber auch in ihren Inhaltsstoffen. Je nach Anbaugebiet, Bodenbeschaffenheit und Wetterbedingungen können die Nährwertprofile leicht variieren - ähnlich wie bei Weinsorten, die vom "Terroir" beeinflusst werden.
Während manche Hafersorten einen höheren Proteingehalt aufweisen, glänzen andere mit mehr ungesättigten Fettsäuren oder einem höheren Mineralstoffgehalt. Diese feinen Unterschiede können für bestimmte Pferde mit speziellen Ernährungsbedürfnissen durchaus relevant sein.
Wichtiger als die Farbe ist jedoch die Qualität: Staub, Schimmel und Verunreinigungen sind absolute No-Gos. Daher ist es wichtig, genau auf die Herkunft und die Qualität des Hafers zu achten.
Ganz oder gequetschten Hafer fürs Pferd?
Hat man sich nun für eine Hafersorte entschieden, wartet schon die nächste Frage in den Startlöchern: Sollen die Körner ganz oder gequetscht verfüttert werden?
Ganze Haferkörner
Gesunde Pferde mit intakten und starken Zähnen können problemlos ganze Körner kauen und verdauen. Allerdings gibt es dabei wichtige Aspekte zu beachten:
Die Wahrscheinlichkeit, dass einige der Körner unverdaut wieder ausgeschieden werden, ist relativ hoch. Insbesondere dann, wenn dein Vierbeiner eher ein Verschlinger seines Futters ist und nicht gründlich kaut. Dies kann dazu führen, dass dein Pferd nicht alle Nährstoffe aus dem Hafer aufnimmt, was auf lange Sicht nur die Spatzen auf der Weide erfreut.
Gequetschte Haferkörner
Bei gequetschtem Hafer handelt es sich um Körner, die mechanisch aufgebrochen wurden. Dieser Prozess macht den Hafer für das Pferd besser verdaulich, da die Nährstoffe leichter aufgenommen werden können.
Der Nachteil: Gequetschter Hafer hat eine deutlich kürzere Haltbarkeit. Bereits nach ein bis zwei Tagen kann er anfangen zu schimmeln. Daher sollte er nur frisch gequetscht oder in kleinen Mengen gelagert werden - sonst verwandelt sich dein wertvolles Kraftfutter schneller in ein Biotop als es dir lieb ist.
Wie viel Hafer darf ins Pferdefutter?
Wenn es um die richtige Hafermenge geht, sollten wir uns von den starren Faustregeln lösen und individueller denken. Jedes Pferd hat seinen eigenen Stoffwechsel und Energiebedarf. Bemerkenswert ist, dass bereits kleine Mengen Hafer wertvolle Nährstoffe liefern – schon 100 Gramm enthalten Proteine, Aminosäuren und B-Vitamine. Es muss also nicht immer die große Schaufel sein!
Wichtiger als die Menge ist die Regelmäßigkeit und die Kombination mit hochwertigem Raufutter, ausreichend Wasser und einer angepassten Mineralversorgung. Beobachte dein Pferd genau und passe die Ration an seinen individuellen Bedarf, seine Arbeit und seinen Stoffwechsel an.
Die Arbeitsintensität spielt dabei eine wesentliche Rolle. Ein Sportpferd braucht naturgemäß deutlich mehr als ein gemütliches Freizeitpferd. Auch Körperbau und Stoffwechsel sind entscheidende Faktoren: Leichtfuttrige Pferde kommen mit weniger aus, während "Hartfutterer" mehr benötigen. Manche Pferde können sprichwörtlich aus einem Strohhalm noch Energie ziehen, andere können ein ganzes Kraftfuttersilo leeren und bitten trotzdem um Nachschlag.
Nicht zu vergessen ist der jahreszeitliche Einfluss - im Winter brauchen viele Pferde mehr Energie für die Wärmeregulation. Denk daran: Dein Pferd trägt keinen Wintermantel, höchstens eine Decke, wenn es diese benötigt. Auch die Grundfutterqualität beeinflusst den Kraftfutterbedarf maßgeblich. Je besser dein Heu ist, desto weniger Kraftfutter ist nötig. Premium-Heu ist wie ein Vollkornbrot – sättigend und nährstoffreich, während minderwertiges Heu eher wie ein leeres Brötchen wirkt.
Beginne immer mit kleinen Mengen Hafer und steigere langsam. Beobachte dein Pferd genau: Wie verändert sich das Gewicht, die Muskulatur und sein Verhalten? Ein gesundes, gut genährtes Pferd sollte weder zu- noch abnehmen und ausgeglichen wirken.

Hafer richtig lagern und schlechte Körner erkennen
Nichts ist schlimmer als muffiger, schimmeliger Hafer. Um sicherzustellen, dass du deinem Pferd nur den besten Hafer servierst, ist es wichtig, auf die richtige Lagerung zu achten und regelmäßig die Qualität zu prüfen. So kannst du verhindern, dass dein Pferd mit schlechtem Futter "bestraft" wird.
Meine Lagerungstipss
- Kühl und trocken lagern
Hafer sollte an einem trockenen Ort mit wenig Feuchtigkeit aufbewahrt werden - am besten in einem kühlen, dunklen Raum. Nicht in der prallen Sonne.
- Luftdicht verpackt
Verwende Futtersäcke oder eine luftdichte Tonne. Achte darauf, dass die Verpackung keine Feuchtigkeit zieht, um Schimmelbildung zu vermeiden.
- Kein Feuchtigkeitskontakt
Hafer darf auf keinen Fall in feuchten Räumen gelagert werden. Das kann die Qualität mindern und Schimmel fördern.
Qualitätsprüfung - So erkennst du schlechten Hafer:
- Geruch
Frischer Hafer riecht angenehm und leicht nussig. Muffiger oder schimmeliger Geruch ist ein Warnsignal – wenn er für deine Nase unangenehm riecht, wird dein Pferd vermutlich ähnlich denken.
- Optische Prüfung
Schimmel ist nicht immer sofort sichtbar, besonders wenn er sich zwischen den Körnern versteckt. Achte auf verfärbte, gräuliche oder grünliche Stellen. Hier gilt: Was aussieht wie ein Wissenschaftsexperiment, gehört nicht in den Futtertrog.
- Wasserprobe
Ein einfacher Test ist die Wasserprobe: Gib eine kleine Menge Hafer in ein Glas Wasser. Schwimmt der Hafer an der Oberfläche oder ist er trüb, könnte er durch Schimmel oder Feuchtigkeit beeinträchtigt sein. Guter, frischer Hafer sollte leicht sinken und das Wasser klar bleiben.
- Feuchtigkeitstest
Wenn der Hafer klamm oder feucht wirkt, ist das ein sicherer Hinweis darauf, dass er nicht richtig gelagert wurde und wahrscheinlich schon Schaden genommen hat. Hafer sollte trocken und bröselig sein, nicht staubig oder feucht.
Selbst wenn du nur einen kleinen Verdacht hast, dass der Hafer nicht mehr gut ist, schick ihn lieber in die Tonne. Schlechter Hafer kann nicht nur die Verdauung deines Pferdes beeinträchtigen, sondern auch zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen.
Fazit: Hafer - ein Kraftfutter mit Tradition und Zukunft
Nicht alles, was Getreide ist, ist schlecht – und nicht alles, was getreidefrei ist, ist automatisch gut. Diese Erkenntnis ist besonders wichtig - gerade in Zeiten, in denen Trends oft alles andere überschatten.
Hafer hat seinen festen Platz in der Pferdefütterung zu Recht erworben. Mit seinem ausgewogenen Nährstoffprofil, der guten Verdaulichkeit und der Vielseitigkeit in der Anwendung ist er ein wertvolles Kraftfutter – wenn er richtig eingesetzt wird.
Die Qualität des Hafers, die Verarbeitung (ganz oder gequetscht), die Zubereitungsart (trocken oder eingeweicht) und vor allem die Fütterungspraxis entscheiden darüber, ob dein Pferd von diesem goldenen Energielieferanten optimal profitiert.
Denk daran: Es geht nicht um pauschale Urteile, sondern um individuell angepasste Lösungen für dein Pferd.
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