Wer kennt's nicht? Da steht man am Stall, kramt in der Jackentasche nach einem Leckerli – und findet nur noch krümelige Überreste von irgendetwas, das mal ein Pferdeleckerli war. Oder man greift zu den bunten Industrieprodukten aus dem Regal, nur um dann festzustellen, dass da mehr Zucker, Melasse und mysteriöse Zusätze drin sind als in einer Kinderparty-Süßigkeitentüte.
Zeit für einen Perspektivwechsel! Denn gesunde Leckerlis für Pferde müssen weder teuer noch kompliziert sein. Im Gegenteil: Die besten Snacks wachsen oft direkt vor unserer Nase oder lassen sich mit wenigen natürlichen Zutaten ganz einfach selbst herstellen.
Deshalb kommen hier 10 naturnahe, zuckerarme und gesunde Pferdeleckerlis – manche direkt von der Weide, andere aus der heimischen Küche.

Die Klassiker aus der Natur
Diese Snacks kennen viele – aber ihre Benefits werden oft unterschätzt.
1. Karotten – Der zeitlose Knabber-Hit
Die gute alte Möhre ist nicht umsonst der Klassiker unter den natürlichen Pferdeleckerlis. Sie ist reich an Beta-Carotin (was gut für Augen und Immunsystem ist), enthält Ballaststoffe für die Verdauung und schmeckt den meisten Pferden einfach gut.
Wichtig ist, immer die ganze Karotte zu füttern und sie nicht in kleine Stücke zu schneiden! Denn kleine Stückchen können zu Schlundverstopfungen führen, während ganze Karotten ordentlich gekaut werden müssen. Und das ist auch gut so, denn das Kauen fördert die Speichelbildung und damit die Verdauung.
Menge: Mal 1-3 Karotten sind in Ordnung, auch für stoffwechselempfindliche Pferde.
2. Hagebutten – Die knallroten Vitamin-C-Bomben
Hagebutten sind echte Superhelden unter den natürlichen Pferdesnacks. Mit 20-mal mehr Vitamin C als Zitronen stärken sie das Immunsystem, fördern glänzendes Fell und eine gesunde Haut. Außerdem wirken sie entzündungshemmend bei Gelenkproblemen. Sie sind sozusagen die natürliche Schmerztablette aus der Hecke.
Die Früchte können frisch vom Strauch verfüttert oder getrocknet werden. Wer sie im Herbst sammelt, hat den ganzen Winter über einen gesunden Vorrat. Einfach an der Luft oder im Dörrautomaten bei maximal 40 Grad trocknen (höhere Temperaturen zerstören die wertvollen Vitamine). Wenn du mehr über die Hagebutte erfahren möchtest, schaue gern hier vorbei.
Menge: 5-10 Stück täglich.
3. Äpfel – Mit Maß und Ziel
Äpfel sind beliebt, vitaminreich und lecker. Aber Vorsicht: Sie enthalten viel Fruchtzucker. Für stoffwechselgesunde Pferde sind sie in Maßen (1-2 Äpfel hin und wieder) eine tolle Abwechslung. Bei Pferden mit EMS, Cushing oder Hufrehe sollten Äpfel jedoch sehr sparsam oder gar nicht gefüttert werden.
Tipp: Äpfel eignen sich auch super für DIY-Leckerlis, da sie als natürliches Bindemittel funktionieren. Schau dazu gerne in meinem DIY-Leckerli eBook vorbei.
Wildkräuter-Power: Leckerlis, die man sammeln kann
Hier wird's spannend! Denn diese Pflanzen wachsen oft direkt am Wegesrand und sind echte Nährstoffwunder.
4. Brennnessel – Die unterschätzte Wunderpflanze
Brennnesseln sind für Pferde wie ein natürliches Mineralfutter. Sie enthalten 7-mal so viel Vitamin C wie Orangen und außerdem jede Menge Eisen, Kalzium, Magnesium und Kieselsäure. Daher sind sie perfekt für Pferde mit Sommerekzem, Mauke, Hautproblemen oder Stoffwechselstörungen.
Frisch gesammelte Brennnesseln müssen allerdings erst anwelken oder trocknen, denn sonst brennen die Nesselhaare. Am besten bindest du sie zu kleinen Bündeln zusammen und hängst sie kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort zum Trocknen auf. Sobald die Blätter rascheln und bröseln, sind sie bereit. Mehr zur Brennnessel erfährst du hier und wenn du keine selbst sammeln möchtest kannst du dir hier mit dem Code PFÖRD 10% Rabatt bei deinem nächsten Einkauf sichern.
Menge: 30-50g täglich (getrocknet) für ein Großpferd, als Kur über 4-6 Wochen.
5. Löwenzahn – Das gelbe Multitalent
Löwenzahn ist verdauungsfördernd, appetitanregend und leberstoffwechselanregend. Kurz gesagt ist er ein zuverlässiger Helfer für die Entgiftung und die Leberunterstützung. Sowohl die Blätter als auch die Wurzeln können verfüttert werden – egal ob frisch von der Wiese oder getrocknet.
Wichtig: Sammle Löwenzahn nur von ungespritzten Wiesen! Denn Unkrautvernichtungsmittel haben in Pferdesnacks nichts zu suchen.
Menge: Eine Handvoll frischer Löwenzahn täglich oder 10-20g getrocknet.
6. Spitzwegerich – Der Atemwegs-Freund
Spitzwegerich kennen die meisten vom Wegesrand, aber er kann weit mehr als nur bei Mückenstichen zu kühlen. Für Pferde ist er ein natürlicher Helfer bei Atemwegsbeschwerden und Hustenproblemen. Die länglichen Blätter können dabei frisch oder getrocknet verfüttert werden. Mit dem Code PFÖRD erhältst du hier 10% Rabatt auf qualitativ hochwertigen Spitzwegerich, einfach hier klicken.

DIY-Leckerlis: Einfach selbst gemacht
Du möchtest selbst kreativ werden? Dann lies jetzt unbedingt weiter. Denn diese Rezepte sind naturbelassen, zuckerfrei und easy in der Zubereitung.
7. Getrocknete Gemüsestücke & Nüsse
Getrocknetes Gemüse ist der perfekte Snack für unterwegs. Es ist leicht, lange haltbar und vollgepackt mit Nährstoffen. Besonders eignen sich Pastinaken, Rote Beete, Petersilienwurzel, Sellerie oder Kürbis. Einfach in dünne Scheiben schneiden und im Dörrautomaten bei 40-50 Grad oder im Backofen bei 50 Grad (Umluft, Klappe einen Spalt offen) mehrere Stunden trocknen lassen, bis sie richtig knusprig sind. Durch die Trocknung konzentrieren sich die Nährstoffe und gleichzeitig reduziert sich der Wassergehalt – perfekt also für die Futtertasche beim Ausritt.
Nüsse sind ebenfalls ein super Energie-Boost. Egal ob Haselnüsse, Walnüsse oder Mandeln - können eine tolle Abwechslung sein. Denn sie liefern nicht nur wertvolle Omega-3-Fettsäuren, sondern auch Vitamin E und Spurenelemente. Aber Achtung: Nüsse sind sehr fettreich und energiedicht. Du solltest sie also in kleinen Mengen füttern! Außerdem sollten sie immer ungesalzen, ungeröstet und naturbelassen sein.
Tipp: Besonders bei Pferden mit stumpfem Fell oder trockener Haut können Nüsse (in Maßen!) wahre Wunder wirken.
8. Karotten-Apfel-Knusper-Kekse
Zutaten:
- 2 Karotten, fein geraspelt
- 1 Apfel, fein geraspelt
- 200g Haferflocken
- 1 TL Fenchelsamen (optional)
- Etwas Wasser bei Bedarf
Zubereitung: Zuerst die Karotten und den Apfel raspeln und dabei den Saft auffangen. Anschließend die Haferflocken und optional die Fenchelsamen untermischen. Falls der Teig zu trocken ist, etwas von dem aufgefangenen Saft hinzugeben. Den Teig dann zu kleinen Kugeln oder flachen Keksen formen und bei 150 Grad Umluft für 20-30 Minuten backen, danach mehrere Stunden oder am besten über Nacht trocknen lassen.
Mehrwert: Fenchelsamen wirken beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt und sind perfekt für sensible Pferde.
9. Brennnessel-Birken-Donuts
Zutaten:
- 200g Haferflocken
- 15g Brennnessel (getrocknet)
- 20g Birkenblätter (getrocknet)
- 10g Löwenzahn (getrocknet)
- 60g geschälte Sonnenblumenkerne oder goldene Leinsamen
- 40g Weizenkleie
- 500ml Wasser
Zubereitung: Alle trockenen Zutaten in einer Schüssel mischen, Wasser hinzugeben und gut durchkneten. Dann eine Handvoll große Portionen abnehmen, zu einem Donut formen (oder einfach flache Taler machen) und auf ein Backblech legen. Bei 125 Grad Umluft 60 Minuten backen, danach vollständig auskühlen und durchtrocknen lassen.
Wirkung: Diese Leckerlis unterstützen die Gelenke und wirken entgiftend.
Vorsicht: Bei einer Niereninsuffizienz ohne Birke und Brennnessel und bei Hufrehe ohne Löwenzahn zubereiten.
10. Samen-Cracker (getreidefrei & low carb)
Zutaten:
- 100g Leinsamen
- 50g Sesamsamen
- 50g geschälte Sonnenblumenkerne
- 1 Prise Salz (optional)
- 10g getrocknete Kräuter (z.B. Kamille oder Pfefferminze)
- 250ml Wasser
Zubereitung: Alle Samen, Salz und Kräuter in einer Schüssel vermengen. Wasser hinzufügen, kräftig durchrühren und anschließend 20 Minuten quellen lassen. Die Masse danach gleichmäßig auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech verteilen (ca. 0,5 cm dick). Bei 180 Grad ca. 20 Minuten backen, dann aus dem Ofen holen und in Formen schneiden. Fertig!
Vorteil: Komplett getreidefrei, reich an Omega-3-Fettsäuren und perfekt für Pferde mit Stoffwechselproblemen.
Was macht gesunde Leckerlis wirklich aus?
Du hast nun einige naturnahe und gesunde Leckerlis für Pferde kennengelernt. Soweit so gut. Aber woran erkennst du grundsätzlich gute Pferdeleckerli? Hier einmal die wichtigsten Kriterien:
- Kein Zucker, keine Melasse: Industriezucker und Melasse haben in Leckerlis nichts verloren. Sie belasten den Stoffwechsel, begünstigen Übergewicht und können bei empfindlichen Pferden Hufrehe oder andere Probleme auslösen.
- Keine künstlichen Zusätze: Farbstoffe, Aromastoffe, Konservierungsstoffe – all das belastet Leber und Nieren unnötig.
- Natürliche Zutaten: Je kürzer die Zutatenliste und je natürlicher die Inhaltsstoffe, desto besser.
Die Sache mit dem Zucker
Doch Moment mal, Äpfel und Karotten enthalten doch auch Zucker? Richtig! Aber: Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen natürlichem Fruchtzucker in der ursprünglichen Pflanzenmatrix (mit Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien) und isoliertem Industriezucker oder Melasse.
Natürliche Snacks wie Karotten bringen das Gesamtpaket mit: Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Das Pferd verdaut sie langsamer und der Blutzuckerspiegel steigt weniger stark an. Bei Leckerlis mit Zuckerzusatz fehlt dieses Paket und es gibt nur den schnellen Zucker-Kick, der den Stoffwechsel belastet.
Ein Wort zu Brot, Zuckerwürfeln & Co.
Auch wenn es viele noch aus Kindertagen kennen: Brot, Zuckerwürfel und ähnliche "Leckerlis" haben in der Pferdefütterung nichts zu suchen. Denn Brot enthält viel Stärke, oft Salz, Konservierungsstoffe und ist für die Pferdeverdauung schlichtweg ungeeignet. Zuckerwürfel sind reiner Industriezucker und eine Belastung für den Stoffwechsel ohne jeglichen Nährwert.
Wer seinem Pferd also wirklich etwas Gutes tun will, greift lieber zu den natürlichen Alternativen.

Fazit: Die Natur macht's vor – wir machen's nach
Gesunde Leckerlis für Pferde müssen nicht teuer, kompliziert oder voller mysteriöser Zutaten sein. Die Natur bietet uns alles, was unsere Vierbeiner brauchen – von der knackigen Karotte über die vitaminreichen Hagebutte bis hin zu selbstgemachten Kräuter-Keksen.
Wer sich die Zeit nimmt, naturnahe Snacks zu sammeln oder selbst zu backen, tut nicht nur seinem Pferd etwas Gutes, sondern baut auch eine noch intensivere Verbindung auf. Denn Hand aufs Herz: Was gibt's Schöneres, als seinem Pferd selbstgemachte Leckerlis anzubieten und zu sehen, wie es genüsslich daran knabbert? Also: Raus in die Natur, ran an die Rührschüssel und ab in die Leckerli-Backstube!
Disclaimer: Die hier beschriebenen Tipps und Rezepte ersetzen keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt oder Fütterungsexperten konsultieren.
