Die Fressbremse für Pferde – ein Hilfsmittel, das Hoffnung und Skepsis gleichermaßen weckt. Denn wenn dein Pferd auf der Weide steht und aussieht wie ein vierbeiniger Staubsauger, der jedes Gräschen in Rekordzeit verschlingt, kennst du das Problem wahrscheinlich nur zu gut. Jeder Biss bedeutet mehr Gewicht, mehr Gesundheitsrisiko, mehr Sorgen. Auf der anderen Seite willst du deinem Pferd aber auch nicht die Freiheit und das Glück auf der Weide nehmen. Genau für solche Momente des Zwiespalts gibt es die Fressbremse.
Auf den ersten Blick sieht sie aus wie ein Maulkorb, funktioniert aber ganz anders. Eine Fressbremse wird dem Pferd zwar auch über das Maul gelegt, begrenzt aber die Futtermenge pro Biss und stoppt das Fressen nicht komplett. Konkret bedeutet das: Dein Pferd kann weiterhin grasen und trinken, nimmt aber automatisch weniger auf. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial – doch wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Wann macht eine Fressbremse bei Pferden Sinn?
Die Einsatzgebiete einer Fressbremse sind vielfältiger als die Entschuldigungen, warum dein Pferd schon wieder zugenommen hat. Der absolute Klassiker ist natürlich das Gewichtsmanagement. Wenn dein Pferd zu den berüchtigten "leichtfuttrigen” Kandidaten gehört, die scheinbar allein vom Anblick von Gras zunehmen. Hier kann eine Fressbremse gegen Übergewicht beim Pferd tatsächlich Wunder wirken und die Futteraufnahme reduzieren, ohne dass du dein Pferd in Einzelhaft auf den Paddock verbannen musst.
Besonders ernst wird die Sache bei gesundheitlichen Problemen. Wenn dein Pferd unter EMS (Equines Metabolisches Syndrom), Hufrehe oder Insulinresistenz leidet, wird die Weidebegrenzung zur absoluten Chefsache. Mit diesen Erkrankungen ist nämlich nicht zu scherzen – sie können lebensbedrohlich werden, wenn zu viel zucker- und stärkereiches Futter aufgenommen wird. Eine Fressbremse kann hier unterstützen und ist deutlich angenehmer als die Alternative: stundenlanges Diskutieren mit einem bockigen Pferd, warum es nicht auf die Weide darf.
Auch bei Verdauungsproblemen zeigt die Fressbremse ihre Stärken. Manche Pferde sind regelrechte "Inhalier-Weltmeister" und nehmen ihr Futter auf, als würde gleich die Welt untergehen. Das Ergebnis? Koliken, Verstopfung und ein sehr unglückliches Pferd (und ein noch unglücklicherer Besitzer). Die Fressbremse fungiert hier als eine Art "Slow-Food-Bewegung" für Pferde und zwingt sie zu einer langsameren Futteraufnahme.
Und in der Gruppenhaltung wird sie zum echten Problemlöser: Du kannst individuell kontrollieren, was dein Pferd frisst, ohne es zum Einzelgänger zu machen. Dein Pferd kann trotzdem mit seinen Kumpels auf der Weide stehen und ist nicht allein.
Die Sonnenseite der Fressbremse für Pferde
Die Vorteile liegen auf der Hand: Du ermöglichst deinem Pferd eine kontrollierte Futteraufnahme, ohne komplett auf den Weidegang verzichten zu müssen – eine Art "Diät mit Aussicht". Der Sozialkontakt zu anderen Pferden bleibt erhalten, was für das psychische Wohlbefinden mindestens so wichtig ist wie für unseres (stell dir vor, du müsstest allein im Büro sitzen, während alle anderen in der Kantine quatschen).
Gleichzeitig reduzierst du gesundheitliche Risiken bei übergewichtigen oder stoffwechselkranken Pferden erheblich. Die Anwendung ist theoretisch denkbar einfach: Fressbremse drauf, Pferd auf die Weide, Kaffee trinken und entspannen. Praktisch ist es natürlich etwas komplizierter (wann ist es das nicht?), aber immerhin temporär und gezielt einsetzbar. Du musst also nicht befürchten, dass dein Pferd für den Rest seines Lebens aussieht wie Hannibal Lecter.
Nachteile & Risiken der Fressbremse
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, denn eine Fressbremse ist kein Zauberstab, den du schwingst und plötzlich ist alles perfekt. Die Einschränkung der Freiheit kann bei manchen Pferden zu erheblichem Frust führen, und frustrierte Pferde können ziemlich kreativ werden, wenn es darum geht, ihren Unmut zu äußern. Stell dir vor, du müsstest jeden Bissen durch einen Strohhalm zu dir nehmen – auf Dauer würdest du wahrscheinlich auch ziemlich schlecht gelaunt werden. Manche Pferde entwickeln ein regelrechtes Abwehrverhalten gegen die Fressbremse und verwandeln sich in kleine Houdinis, die versuchen, das Ding mit allen Mitteln loszuwerden. Andere werden gestresst und laufen unruhig umher, als hätten sie zu viel Kaffee getrunken.
Besonders problematisch wird es, wenn das Gras zu kurz oder zu lang ist. Bei zu kurzem Gras wird die Futteraufnahme zur Sisyphusarbeit, bei zu langem können Halme nicht durch die Löcher gefressen werden. Modelle mit zu kleinen Bodenöffnungen sind besonders schwierig.
Die Kommunikation mit den Artgenossen kann ebenfalls leiden. Pferde sind nämlich Meister der nonverbalen Kommunikation und "sprechen" viel über ihre Mimik und Gestik am Maul. Mit Fressbremse ist das etwa so, als würdest du mit Mundschutz und Sonnenbrille versuchen zu flirten – technisch möglich, aber nicht besonders erfolgversprechend. Auch die soziale Fellpflege wird erschwert, was zu Spannungen in der Herde führen kann.
Das Verletzungsrisiko solltest du ebenfalls nicht unterschätzen. Fremdkörper wie Stöckchen, Steine können sich in der Fressbremse verfangen und für ordentlich Chaos sorgen. Besonders tückisch ist die Zahnabnutzung, die entstehen kann, wenn Pferde bei jedem Biss mit ihren Schneidezähnen über den Kunststoffboden schaben. Druck- oder Scheuerstellen in der Maulgegend oder hinter den Ohren sind weitere mögliche Nebenwirkungen bei schlechtem Sitz.

Fressbremse richtig ans Pferd anpassen
Eine Einheitsgröße gibt es bei Fressbremsen etwa so wenig wie bei Jeans – jede muss individuell auf die Kopfform deines Pferdes abgestimmt werden. Wie lange eine Fressbremse tragen? So kurz wie möglich, so lang wie nötig!
Schritt-für-Schritt zur Anwendung:
- Langsame Gewöhnung: Wie bei einem ersten Date – behutsam anfangen und die Tragezeit schrittweise steigern
- Nur stundenweise: Das ist keine Dauerlösung weder auf der Wiese noch im Stall
- Übermäßiges Nachfressen verhindern: unbedingt darauf achten, dass dein Pferd danach nicht plötzlich alles einatmet was an Futter da ist
- Regelmäßige Kontrolle: Mehrmals täglich nach dem Pferd schauen
- Das richtige Material: Es gibt sie aus Leder, Plastik, usw. das ist wichtig für den Komfort
Die richtige Passform:
Bei der Sitzkontrolle gilt die Zwei-Finger-Regel: Zwischen dem oberen Rand der Fressbremse und der Pferdenase sollten zwei Finger Platz haben. Beim Abstand zwischen Pferdemaul und Boden des Maulkorbs sind etwa 2,5 cm optimal. Die Größe muss es dem Pferd erlauben, sein Maul problemlos zu öffnen. Alles andere wäre Tierquälerei und außerdem völlig kontraproduktiv. Idealerweise hat die Fressbremse mehrere Bodenschlitze, die bei Bedarf mit Einlegeplatten verkleinert werden können – sozusagen die Individualeinstellung für anspruchsvolle Pferde.
Pflege und Überwachung:
Regelmäßige Gesundheitskontrollen sind Pflicht und nicht verhandelbar. Die tägliche Reinigung der Fressbremse ist notwendig, da sich die kuriosesten Dinge darin verfangen können. Von Stöckchen über Steine bis hin zu mysteriösen Gegenständen, die niemand identifizieren kann. Außerdem musst du die Wasseraufnahme sicherstellen. Funktionieren normale Tränken nicht, musst du eventuell separat mit Eimer tränken. Und denk immer daran: Eine Fressbremse mit Sollbruchstelle ist wie ein Sicherheitsgurt – hoffentlich brauchst du sie nie, aber wenn doch, rettet sie Leben.
Fazit: Fressbremse beim Pferd - Fluch oder Segen?
Wenn du überlegst, eine Fressbremse für dein Pferd zu kaufen, solltest du sie als praktisches Hilfsmittel im Rahmen eines umfassenden Managementplans betrachten – nicht als Allheilmittel. Sie ist kein Ersatz für ausreichend Bewegung, eine naturnahe Fütterung und tierärztliche Begleitung. Sie sollte nur für einen bestimmten Zeitraum und nur als allerletzte Wahl eingesetzt werden – wenn es keine Alternativen wie grasfreie Paddocks, genügend Bewegung oder andere Maßnahmen gibt. Die Fressbremse ist sozusagen der Joker im Ärmel, nicht die erste Karte, die du ausspielst.
Am Ende des Tages geht es darum, das Beste für dein Pferd zu tun – und manchmal bedeutet das eben, schwierige Entscheidungen zu treffen und Kompromisse zu finden. Die Fressbremse kann dabei ein hilfreicher Begleiter sein, sollte aber nie das ersetzen, was wirklich zählt: eine liebevolle, durchdachte und individuelle Fütterung deines vierbeinigen Partners.
