Wenn Pferde gemütlich vom Paddock fressen, gelangt mit jedem Bissen nicht nur Futter, sondern auch immer etwas Sand in den Darm. Was auf den ersten Blick nicht dramatisch zu sein scheint, ist bei genauerer Betrachtung dann aber doch nicht zu unterschätzen. Denn über Wochen und Monate sammelt sich das Zeug an wie Staub unter'm Sofa. Nur dass es diesmal im Pferdedarm liegt und dort richtig fiese Koliken auslösen kann.
Um dem entgegenzuwirken, kommen diese kleinen Superhelden ins Spiel: Flohsamen. Denn die unscheinbaren Körnchen sind so etwas wie die Putzkolonne für den Pferdedarm – natürlich, effektiv und dabei so sanft, dass selbst empfindliche Pferde sie meist problemlos vertragen. Aber wie bei allem in der naturnahen Pferdefütterung gilt: Es kommt auf die Details an!

Was sind Flohsamen?
Flohsamen (lateinisch Plantago ovata) stammen ursprünglich aus Indien und Pakistan – Regionen, die für ihr trockenes und heißes Klima bekannt sind. Dadurch ist die Pflanze ein echtes Wüstenkind geworden und hat sich über Jahrtausende perfekt an karge Bedingungen angepasst. Heute werden Flohsamen hauptsächlich in Indien kultiviert, wo sie zur ayurvedischen Tradition gehören.
In der Humanmedizin werden sie schon seit Ewigkeiten gegen Verdauungsprobleme eingesetzt – bis irgendwann jemand den cleveren Gedanken gehabt hat: "Wenn das beim Menschen funktioniert, warum nicht auch beim Pferd?" Und Spoiler: Es funktioniert!
Warum "Flohsamen"? Ein Name mit Geschichte
Der Name kommt nicht von ungefähr: Die kleinen, glänzend braunen Samen erinnern tatsächlich etwas an Flöhe – sowohl in ihrer Größe als auch in ihrer Sprungkraft. Denn wenn die reifen Samenkapseln aufplatzen, hüpfen die Samen regelrecht aus der Pflanze heraus. Die Natur hat sich da ein ziemlich cleveres Verbreitungssystem ausgedacht!
Die Samen selbst sind winzig und nur etwa 2-3 mm groß, oval und rotbraun. Aber lass dich von ihrer Größe nicht täuschen: Diese kleinen Dinger haben es in sich. Ihre Samenschalen bestehen zu einem großen Teil aus Schleimstoffen, die in Verbindung mit Wasser aufquellen können. Genau das macht sie so wertvoll für die Pferdefütterung.
Kleine Samen, große Wirkung – Was Flohsamen im Pferdekörper leisten
Sobald Flohsamen mit Wasser in Kontakt kommen, beginnt die Magie. Die Samenschalen quellen auf und bilden einen glibberigen, gelartigen Schleim. Klingt erstmal unappetitlich, ist aber genau das, was der Pferdedarm braucht!
Denn dieser Schleim legt sich wie ein schützender Film über die Darmwand und wirkt dabei gleich mehrfach: Er beruhigt gereizte Schleimhäute, unterstützt die natürliche Darmbewegung (Peristaltik) und bindet überschüssige Flüssigkeit. Pferde mit Kotwasser profitieren besonders davon – der Schleim hilft, den Kot wieder zu festigen, ohne dabei zu stopfen. Eine echte Gratwanderung, welche die Flohsamen aber meisterhaft beherrschen!
Auch bei Magengeschwüren können Flohsamen unterstützend wirken. Der Schleim bildet eine Schutzschicht auf der Magenschleimhaut und kann so helfen, die Regeneration zu fördern. Natürlich ersetzt das keine tierärztliche Behandlung, aber als begleitende Maßnahme macht es durchaus Sinn.
Sandkolik adé: Wie Flohsamen aufräumen
Jetzt kommen wir zum absoluten Highlight: der Sandbindung. Wenn dein Pferd auf sandigen Paddocks oder Weiden steht, nimmt es zwangsläufig Sand auf. Der sammelt sich im Dickdarm an und kann dort – je nach Menge – richtig üblen Schaden anrichten. Im schlimmsten Fall droht eine Sandkolik, die lebensbedrohlich werden kann.
Flohsamen wirken hier wie ein sanfter Besen: Der Schleim umhüllt die Sandkörnchen und transportiert sie mit dem Kot nach draußen. Dabei ist der Mechanismus super clever: Die glibberige Konsistenz macht den Darminhalt rutschiger, sodass auch festsitzender Sand besser mitgespült wird. Das funktioniert übrigens auch bei anderen unverdaulichen Partikeln wie Erde oder kleinen Steinchen.
Bei Kotwasser, Durchfall und Magengeschwüren
Die schleimbildende Eigenschaft macht Flohsamen zum Allrounder bei verschiedenen Verdauungsproblemen. Bei Durchfall binden sie überschüssige Flüssigkeit und helfen, den Kot zu festigen. Bei Verstopfung wiederum sorgt der gleitfähige Schleim dafür, dass der Darminhalt besser rutscht. Klingt widersprüchlich? Ist es aber nicht. Denn Flohsamen regulieren einfach, was gerade aus dem Gleichgewicht geraten ist. Auch für Pferde mit wiederkehrendem Kotwasser sind Flohsamen oft ein Segen.
Wichtig ist aber: Kotwasser hat IMMER eine Ursache – sei es Stress, falsches Futter, Zahnprobleme oder Stoffwechselstörungen wie EMS oder Hufrehe. Daher behandeln Flohsamen zwar die Symptome, aber die Ursache musst du trotzdem angehen!
Ganze Samen vs. Schalen – Was ist besser?
Hier scheiden sich die Geister, denn beide Varianten haben ihre Daseinsberechtigung:
Ganze Flohsamen enthalten neben den Schalen auch den Samenkern. Sie quellen nicht ganz so stark auf wie reine Schalen, sind dafür aber etwas nährstoffreicher. Für die meisten Anwendungsfälle – besonders zur Sandentfernung – sind sie völlig ausreichend und oft preiswerter.
Flohsamenschalen (nur die äußere Hülle) haben eine deutlich stärkere Quellfähigkeit. Sie können bis zum 40-fachen ihres Gewichts an Wasser binden! Wenn es also um maximale Schleimbildung geht – etwa bei starkem Kotwasser oder Magengeschwüren – sind die Schalen die erste Wahl.

Dosierung & Fütterung – So machst du's richtig
Die Standarddosierung liegt bei 50-100 g pro Tag für ein Großpferd (ca. 600 kg). Das entspricht etwa 3-6 gehäuften Esslöffeln. Bei Ponys oder kleinen Pferden natürlich entsprechend weniger.
Zum Thema einweichen oder trocken verfüttern, kann ich nur folgendes sagen: IMMER einweichen! Denn trockene Flohsamen können im Magen oder Darm aufquellen und im schlimmsten Fall zu Verstopfungen führen. Das ist zwar selten, aber warum das Risiko überhaupt erst eingehen?
So geht's also richtig:
- Flohsamen in eine Schüssel geben
- Mit reichlich kaltem oder lauwarmem Wasser übergießen (ca. 1 Liter pro 100 g Samen)
- Mindestens 30 Minuten quellen lassen – gerne auch über Nacht
- Die glibberige Masse unters normale Futter mischen
Der beste Zeitpunkt für eine Flohsamenkur ist im Frühjahr und Herbst – also genau dann, wenn Pferde viel Zeit auf abgefressenen oder sandigen Flächen verbringen. Auch nach einem langen, trockenen Sommer macht eine Kur Sinn.
Diese Anzeichen geben dir zudem einen möglichen Hinweis darauf dass Sand im Darm deines Pferdes ist:
Wichtige Hinweise für eine sichere Fütterung
Ich kann's nicht oft genug sagen: Dein Pferd muss ausreichend Wasser trinken, wenn du Flohsamen fütterst! Denn der Schleim bindet Flüssigkeit und wenn nicht genug Wasser nachkommt, kann das zu Verstopfung führen. Kontrolliere daher besonders im Winter, ob dein Pferd genug trinkt.
Als ungefähre Faustregel gilt: Ein 600-kg-Pferd sollte mindestens 30-40 Liter pro Tag trinken, bei einer Flohsamenfütterung darf es gerne auch mehr sein.
Wann du NICHT füttern solltest
Es gibt allerdings Situationen, in denen Flohsamen tabu sind:
- Akute Kolik: Bei Verdacht auf Darmverschluss oder akuter Kolik NIE Flohsamen geben! Das kann die Situation verschlimmern. Hier gilt: Sofort den Tierarzt rufen!
- Schlundverstopfung: Pferde, die zu Schlundverstopfungen neigen, sollten Flohsamen nur unter tierärztlicher Aufsicht bekommen.
- Medikamentengabe: Flohsamen können die Aufnahme von Medikamenten beeinträchtigen. Wenn dein Pferd Arzneimittel bekommt, halte min. 2 Stunden Abstand zur Flohsamenfütterung ein.
- Trächtige Stuten: Grundsätzlich können auch tragende Stuten Flohsamen bekommen, aber halte dafür bitte vorher Rücksprache mit deinem Tierarzt – vor allem im letzten Drittel der Trächtigkeit.
Qualität zahlt sich aus
Bei Flohsamen gilt: Nicht am falschen Ende sparen! Denn billige Produkte können mit Pestiziden belastet sein oder schlechte Quelleigenschaften haben. Die Qualität merkst du meist schon beim Einweichen: Gute Flohsamen bilden innerhalb von 30 Minuten eine richtig schöne, glibberige Konsistenz. Minderwertigen Samen fehlt dagegen oft diese intensive Schleimbildung.
Ich würde dir die Flohsamen von CD Vet empfehlen. Diese sind in Bio-Qualität, frei von Zusatzstoffen und haben eine hervorragende Quellfähigkeit. Das Beste daran: Mit meinem Code "Einhorn" bekommst du satte 10% Rabatt auf deine Bestellung!
Bei der Lagerung gilt, dass Flohsamen trocken, dunkel und kühl verstaut sein sollten. In einem verschlossenen Behälter im Futterschrank sind sie etwa 1 Jahr haltbar. Wenn sie muffig riechen oder man sogar Schimmel sieht, dann weg damit.
Fazit: Flohsamen als naturnaher Helfer
Flohsamen sind ein fantastisches Beispiel dafür, wie naturnahe Pferdefütterung aussehen kann: einfach, effektiv und ohne Chemie. Sie unterstützen die Verdauung, helfen bei der Sandentfernung und können bei verschiedenen Darmproblemen Linderung verschaffen.
Aber – und das ist wichtig – sie sind kein Wundermittel. Flohsamen behandeln Symptome und können prophylaktisch eingesetzt werden, aber die eigentliche Ursache von Verdauungsproblemen musst du trotzdem angehen. Ist die Haltung artgerecht? Stimmt die Raufutter-Versorgung? Passt das gesamte Fütterungskonzept? Die Basics müssen immer stimmen.
Und denk dran: Naturnahe Pferdefütterung ist ein Gesamtkonzept. Flohsamen sind ein Baustein davon – wichtig, aber eben nur einer von vielen. Die Kombination macht's!
