Liebe Dinkel-Dörte,
dieser heutige Blogartikel ist anders. Denn während sich die Welt zwischen Weihnachten und Neujahr ein bisschen langsamer dreht, die Ställe ruhiger werden und vielleicht sogar der letzte Lebkuchen im Sattelschrank verschwindet, möchte ich gemeinsam mit dir einmal innehalten, durchatmen und auf dieses Jahr zurückzublicken.
Ich weiß, ich weiß – Reflexion klingt erstmal nach Arbeit, nach einem weiteren To-Do auf der eh schon vollen Liste. Aber glaub mir: Diese Art von "Arbeit" ist das Schönste, was du dir und deinem Pferd zum Jahresende schenken kannst.
Was dieses Jahr wirklich war
Lass uns ehrlich sein: Wahrscheinlich war dieses Jahr nicht perfekt. Vielleicht hattest du dir im Januar vorgenommen, endlich regelmäßiger zu reiten, konsequenter zu sein und mehr Zeit im Stall zu verbringen. Und dann kam das Leben dazwischen. Oder dein Pferd hatte andere Pläne und der Tierarzt stand plötzlich häufiger im Stall als geplant.
Bei mir und Dorado (auch bekannt als Horst Pferdinand oder Herr Pförd) war 2025 genau so ein Jahr - nicht perfekt. Wir hatten viele Herausforderungen zu meistern, große Entscheidungen zu treffen und sind nur knapp dem equinen Asthma von der Schippe gesprungen. Ich erinnere mich noch gut an das unheilvolle Husten, das erst harmlos klang und dann immer bedrohlicher wurde. Die Nächte, in denen ich wach lag und wie eine Verrückte nach einer Lösung suchte. Und die Hilflosigkeit, als ich merkte: All die Ratschläge, die Ergänzungsfuttermittel und all die gutgemeinten "Das wird schon wieder"-Schulterklopfer helfen nicht.
Weißt du, was ich daraus gelernt habe? Dass die Jahre, die uns am meisten verändern, selten die sind, in denen alles glatt läuft. Es sind die Jahre, in denen wir an unsere Grenzen kommen. In denen wir nachts wach liegen und uns fragen: "Mache ich das Richtige?" Und in denen unsere Pferde uns zwingen, hinzuschauen – wirklich hinzuschauen. Und dann muss manchmal erst alles zusammenbrechen, bevor wir den Mut finden, radikal neu zu starten und unseren Pferden das Leben zu ermöglichen, das sie verdient haben.
Aber der Weg dahin? Der ist verdammt schwer. Weil er bedeutete, loszulassen. Von Erwartungen, von dem, “was man halt so macht” und von der Komfortzone.
Die Beziehung vor der Leistung
Bevor wir gleich in die praktischen Reflexionsfragen eintauchen, möchte ich noch etwas Wichtiges loswerden: Die Beziehung zu deinem Pferd ist das Fundament von allem. Aber was bedeutet das eigentlich – Beziehung? Wir reden so oft über sie, aber selten darüber, was sie wirklich ausmacht. Es ist nicht das tägliche Füttern, das Striegeln nach Schema F oder das gemeinsame Training. Beziehung ist, wenn du im Stall ankommst, dein Pferd den Kopf hebt und du in seinen Augen schon siehst, ob es ihm gut geht. Ob es dich sehen will und ob es heute bei dir ist oder irgendwo anders mit seinen Gedanken.
Beziehung ist auch, ehrlich zu sich selbst zu sein. Darüber, wie oft wir aus Gewohnheit zum Stall fahren, obwohl wir eigentlich selbst gestresst, müde oder überfordert sind. Aber dann von unserem Pferd erwarten, dass es funktioniert, dass es "mitmacht" und dass es uns ein gutes Gefühl gibt. Doch Pferde sind keine Therapeuten. Sie sind ein Spiegel unserer Seele und zeigen uns gnadenlos, wie es um uns steht. Und manchmal – ganz oft sogar – zeigen sie uns auch, wie es um sie selbst steht. Wenn wir nur genau hinschauen würden.
Ich habe dieses Jahr gelernt: Manchmal ist das Beste, was du für dein Pferd tun kannst, einfach nur da zu sein. Ohne Halfter, ohne Plan, ohne "Ich muss heute aber". Einfach nur da sein und wahrnehmen. Was siehst du? Wie bewegt sich dein Pferd? Wie atmet es? Wie ist seine Körperspannung?
Um daran anzuknüpfen stelle dir bitte diese Fragen:
Kennst du dein Pferd wirklich?
- Wann wirkt es entspannt, wann angespannt?
- Was hat sich in seinem Verhalten verändert – zum Positiven oder Negativen?
- Gab es Momente, in denen dein Pferd dir etwas "sagen" wollte? Und hast du auch wirklich zugehört?
Wie ging es DIR mit deinem Pferd?
- Warst du oft gestresst, unter Druck oder ungeduldig?
- Gab es diese magischen Momente, in denen die Welt um euch herum verschwand?
- Hast du dein Pferd dieses Jahr wirklich gesehen oder nur funktioniert?
Ich weiß, diese Fragen können wehtun. Manchmal merkt man erst beim Zurückblicken, dass man monatelang im Autopilot-Modus war. Dass man sein Pferd zwar gefüttert, gemistet und bewegt hat, aber dass man nicht wirklich da war.
Das Körperliche: Was dein Pferd dir erzählt hat
Der Körper lügt nicht. Nie. Während wir Menschen meisterhaft darin sind, uns selbst etwas vorzumachen ("Ach, das bisschen Husten", "Das bisschen Fellwechsel-Problematik", "Das wird schon wieder"), kommunizieren Pferde glasklar. Durch jede Muskelverspannung, jedes Zucken der Haut, jeden unrunden Schritt und jedes abgewandte Ohr. Das Problem ist: Wir haben verlernt, diese Sprache zu lesen. Oder noch schlimmer – wir lesen sie, aber ignorieren sie, weil wir Angst vor den Konsequenzen haben.
Ich kenne das so gut aus meiner täglichen Beratungspraxis. Die Krankheiten meiner Pferde aus den Futterberatungen waren nicht plötzlich da. Die Pferde haben schon Monate vorher angefangen zu erzählen, dass etwas nicht stimmt. Zunächst meistens subtil, aber ihre Besitzer wollten es oft nicht wahrhaben. Denn das hätte bedeutet: Handeln. Verändern. Alles infrage stellen. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr wegschauen kann. An dem die Kommunikation der Pferde so laut wurde, dass es keine Ausreden mehr gab.
Hier ist die unbequeme Wahrheit: Viele gesundheitliche Probleme kündigen sich schon lange vorher an. Wir sehen sie nur nicht. Oder wir bagatellisieren sie. "Ist doch normal, dass er im Fellwechsel schlapp ist." "Klar hat sie mal einen unrunden Tag." "Bisschen Durchfall nach der Futterumstellung, das gibt sich."
Und ja, manchmal gibt es sich. Oft aber nicht. Und dann stehen wir da, nach Monaten der Odyssee von einem Experten zum nächsten, und fragen uns: Warum habe ich nicht früher hingeschaut?
Deshalb schau du bitte hin und führe einen Gesundheits-Check fürs Jahr durch:
- Welche gesundheitlichen Herausforderungen gab es? (Und bitte, sei ehrlich – auch die kleinen Dinge zählen!)
- Was hast du unternommen, und hat es funktioniert?
- Gab es Momente der Verunsicherung, der Ratlosigkeit, des "Ich weiß nicht mehr weiter"?
Viele von euch kennen dieses Gefühl: Man tingelt von Experte zu Experte, probiert dies und das, aber es wird nicht besser. Oder es wird nur kurz besser und dann wieder schlechter. Man zweifelt an sich selbst, am Pferd und irgendwie an allem.
Wenn du das auch kennst, hast du jetzt zwei Optionen: Entweder du buchst dir eine Futterberatung oder du wirst mit Hilfe meiner Ausbildung zur naturnahen Futterberaterin selbst zur Expertin und Ratlosigkeit, Zweifel und Unsicherheit gehören der Vergangenheit an.
Die Fütterung unter die Lupe nehmen
Die Fütterung. Oh Mann, die Fütterung. Es gibt kaum ein Thema, bei dem wir uns so viel Druck machen und bei dem wir so viel Geld ausgeben für Dinge, die wir eigentlich gar nicht verstehen. Ich war auch da. Im Futterkammer-Dschungel. Mit fünfzig verschiedenen Zusätzen, weil "könnte ja nicht schaden". Mit Spezialfutter für dies und das. Mit dem Gefühl, dass ich Herr Pförd nicht genug gebe, wenn ich ihm nicht genug gebe. Aber die Sache ist: Pferde haben Jahrtausende ohne Zusatzfutter überlebt. Ohne synthetische Vitamine und "hochwertiges Mineralfutter mit allem, was das Pferd braucht". Sie hatten Gras, Kräuter, Rinde und waren gesund.
Irgendwann habe ich angefangen, mich zu fragen: Was braucht mein Pferd wirklich? Nicht, was sagt die Werbung, nicht, was füttert die Stallbesitzerin, nicht, was hat der Tierarzt empfohlen. Sondern: Was braucht MEIN Pferd?
Das war der Moment, in dem ich anfing alles selbst zu besorgen. Und ja, es ist manchmal aufwändiger und ich muss mehr überlegen. Aber ich weiß jetzt genau, was Dorado frisst. Ich kenne den Bauern, ich kenne die Wiese, ich kenne den Schnittzeitpunkt des Heus. Ich sehe, rieche und fühle es, bevor es Horst Pferdinand verschlingt.
Und weißt du was? Seitdem ist so vieles besser geworden. Die Atmung, die Verdauung und die Ausstrahlung ist eine andere.
- Was hat dein Pferd dieses Jahr gefressen?
- Gab es Veränderungen in der Fütterung – und wenn ja, warum?
- Hat dein Pferd Zusätze bekommen? Wenn ja, waren sie wirklich nötig, oder hast du aus Unsicherheit "zur Sicherheit" gefüttert?
- Wie sieht dein Pferd aus? Wie sind Fell, Hufe, Kondition und Ausstrahlung?
Die Haltung: Ist dein Pferd wirklich glücklich?
Hier wird's manchmal unangenehm. Denn wir alle wissen: Die perfekte Haltung gibt es nicht. Aber es gibt Haltungsformen, die einem Pferd mehr entsprechen als andere. Doch die brutale Wahrheit ist: Viele von uns halten ihre Pferde in Systemen, von denen sie genau wissen, dass sie nicht artgerecht sind. Wir wissen es. Tief drinnen wissen wir es. Aber wir verdrängen es, weil die Alternativen kompliziert sind, weil sie unbequem sind oder weil sie bedeuten würden, Dinge aufzugeben.
Ich kenne das. Ich war da.
Der alte Stall hatte alles, was mein Herz begehrte. Einen Reitplatz, zwei Hallen, Galoppbahn, Offenstall und netten Leuten. Aber er hatte auch staubige Luft, teilweise schimmeliges Heu und nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten. Und als Dorado anfing zu husten, wusste ich: All der Komfort der Welt ist nichts wert, wenn mein Pferd nicht atmen kann.
Der Stallwechsel war keine einfache Entscheidung. Er bedeutete Verzicht. Auf den Platz, auf den Komfort und auf die Bequemlichkeit. Aber er bedeutete auch: Mein Pferd kann endlich wieder durchatmen, 24/7 draußen sein und sich bewegen, wann immer es möchte.
Und weißt du, was das Verrückte ist? Ich dachte, ich würde den Platz vermissen. Ich dachte, es würde mir schwerfallen, im Winter bei Regen und Matsch zu reiten. Aber die Wahrheit ist: Es ist mir völlig egal geworden. Weil ich ein Pferd habe, das strahlt. Das glücklich ist. Und das nicht mehr hustet.
Was sind schon trockene Füße gegen ein gesundes Pferd?
Und jetzt zu dir:
- Kann sich dein Pferd frei bewegen, wann immer es möchte?
- Hat es echte soziale Kontakte zu anderen Pferden?
- Muss es stundenlang in der Box stehen, obwohl du weißt, dass das nicht artgerecht ist?
- Welche Kompromisse gehst du ein – und sind sie wirklich notwendig?
Was du nächstes Jahr anders machen kannst
Kommen wir nun zum schönen Teil. Du hast jetzt reflektiert, hingeschaut und warst ehrlich zu dir selbst. Jetzt darfst du träumen, planen und vor allem loslassen. Nimm dir Stift und Papier (ja, analog!) und schreibe auf:
- Drei Dinge, die richtig gut liefen – und die du beibehalten willst
- Drei Dinge, die nicht so gut liefen – und was du konkret ändern möchtest
- Ein großer Wunsch für dein Pferd – unabhängig davon, ob er "realistisch" klingt
- Ein Versprechen an dein Pferd – etwas, das du wirklich einhalten willst
Und dann – und das ist der wichtigste Teil – geh zu deinem Pferd. Ohne Halfter, ohne Agenda, ohne Plan. Gehe einfach nur hin und sag ihm leise, was du dir für euch beide wünschst.
Zum Schluss möchte ich dir noch etwas sagen, das ich selbst erst lernen musste: Du musst nicht perfekt sein, aber du musst ehrlich sein. Zu dir selbst, zu deinem Pferd und zu dem, was wirklich wichtig ist. Manchmal bedeutet das, auf Dinge zu verzichten. Sei es die Reithalle, der perfekte Boden, das regelmäßige Training oder die synthetischen Zusätze, die dir versprechen, alles zu "fixen".
Ich wünsche dir ruhige Tage zwischen den Jahren, ehrliche Momente mit deinem Pferd und den Mut, im neuen Jahr das zu verändern, was verändert werden muss.
Und jetzt bin ich neugierig: Was ist deine Jahresplanung für 2026? Was möchtest du mit deinem Pferd erreichen, verbessern oder verändern? Schreib mir gerne auf Instagram – ich freue mich, von dir zu lesen!
