SOS-Hitzewelle: Der Survival-Guide für dein Pferd

Der Sommer ist da! Während du dich in Flip-Flops zum Stall schleppst und dich fragst, ob die Reithose jetzt endgültig mit deiner Haut verschmolzen ist, steht dein Pferd schon schwitzend im Paddock und schaut dich an, als würde es sagen: "Muss das wirklich sein?"

Hitze ist für unsere Vierbeiner weit mehr als nur lästig - sie kann richtig gefährlich werden. Ihr dichtes Fell, das uns im Winter so praktisch erscheint, wird bei hohen Temperaturen zum Problem. Dazu kommt: Pferde können nicht einfach in den Schatten wechseln oder sich ein kühles Getränk holen, wenn ihnen danach ist - sie sind auf uns angewiesen.

Die gute Nachricht? Mit den richtigen Strategien wird aus dem Survival-Kampf ein entspannter Pferde-Sommer. Es geht nicht darum, das Thermometer zu verfluchen, sondern smart zu handeln. In diesem Artikel erfährst du, wie du einen Hitzschlag erkennst, was Reiten bei dieser Hitze bedeutet und wie du deinem Pferd am besten helfen kannst.

Diese Gefahren lauern bei hohen Temperaturen

Stell dir vor, du trägst einen dicken Wintermantel mitten im Hochsommer - ungefähr so geht es deinem Pferd bei heißen Temperaturen. Pferde überhitzen drei- bis zehnmal schneller als wir Menschen, denn ihre Wohlfühltemperatur liegt eigentlich zwischen -7°C und 25°C. 

Hitzschlag beim Pferd: Wenn der Kreislauf streikt

Ein Hitzschlag beim Pferd entwickelt sich oft schneller als gedacht. Zuerst merkst du, dass dein Vierbeiner heftiger atmet und schwitzt - die Herzfrequenz steigt von normalen 28-40 Schlägen auf deutlich höhere Werte. Währenddessen gehen die Atemzüge von normalen 8-16 auf über 20 pro Minute hoch. Das starke Schwitzen kann paradoxerweise plötzlich aufhören - ein Alarmzeichen, dass der Körper bereits überfordert ist.

Dein Pferd wird matter, der Gang wird unsicher und wackelig. In schweren Fällen beginnt es zu taumeln oder legt sich sogar hin. Ein Blick auf die Schleimhäute zeigt dann oft blasse oder ungewöhnlich gerötete Färbungen. Im schlimmsten Fall droht ein kompletter Kreislaufkollaps, der lebensbedrohlich werden kann.

Wenn du diese Anzeichen beobachtest, heißt es: sofort handeln! Bringe dein Pferd in den Schatten, beginne mit vorsichtiger Kühlung und rufe den Tierarzt - bei einem Hitzschlag zählt jede Minute.

Sonnenbrand beim Pferd: Die unterschätzte Gefahr

"Sonnenbrand beim Pferd? Das gibt's doch nicht!" - denkt sich vielleicht der ein oder andere. Aber oh doch! Besonders Pferde mit heller Haut sind echte Sonnenanbeter-Opfer. Schimmel, Palominos, Cremellos, Pferde mit großen weißen Abzeichen, rosa Nüstern oder heller Blesse können richtig böse Verbrennungen bekommen. Selbst dunkle Pferde sind an ihren hellen Stellen nicht sicher vor der UV-Strahlung.

Der Sonnenbrand zeigt sich durch gerötete, warme Hautstellen, die später sogar aufplatzen können. Dein Pferd wird empfindlich auf Berührungen reagieren und sich unwohl fühlen. 

Hier hilft Sonnencreme aus der Babyabteilung besonders gut, da sie frei von Mikroplastik und reizenden Stoffen ist. Achte auf einen hohen Lichtschutzfaktor und Zinkoxid als Wirkstoff. UV-Schutzmasken, die wie Fliegenmasken aussehen, aber zusätzlichen Sonnenschutz bieten, sind eine tolle Ergänzung. Am wichtigsten ist aber: die Mittagszeit meiden und immer genug Schattenplätze anbieten.

Dehydration: Der schleichende Flüssigkeitsverlust

Hier wird's richtig krass: Ein Pferd kann an heißen Tagen bis zu 7% seines Körpergewichts an Schweiß verlieren. Bei einem 600 kg Pferd sind das satte 40 Liter Flüssigkeit! Die Dehydration schleicht sich oft unbemerkt ein. Dein Pferd wird kraftlos, hat keinen Appetit mehr und bekommt Verdauungsprobleme.

Gut zu wissen!

Ziehe eine Hautfalte am Pferdehals hoch und lasse sie los. Bei einem gesunden, gut hydrierten Pferd springt sie sofort zurück. Bildet sie sich nur langsam zurück oder bleibt sogar kurz stehen, ist das ein klares Zeichen für Flüssigkeitsmangel.

Abkühlung gefällig? So schützt du dein Pferd

Reiten: Timing ist alles

Das Wichtigste beim Reiten ist das richtige Timing. Während du um 14 Uhr bei 35 Grad im Schatten schon fast schmilzt, ist es für dein Pferd erst recht die Hölle. Verlege deine Reitstunden daher in die frühen Morgenstunden oder in den späten Abend. Bei extremen Temperaturen über 35 Grad gilt: Pause machen ist keine Schwäche, sondern Vernunft!

Auch die Ausrüstung spielt eine große Rolle. Vergiss dicke Pads oder mehrere Schichten unter dem Sattel - das ist wie eine zusätzliche Daunenjacke für dein Pferd. Setze stattdessen auf atmungsaktive Schabracken mit Cool-Dry-Funktion, die Feuchtigkeit nach außen transportieren. Bandagen sind bei Hitze ebenfalls tabu - sie stauen die Wärme und können zu Überhitzung der Beine und einem Sehnenschaden führen. Besser sind gut belüftete Gamaschen, die Schutz bieten, aber trotzdem Luft durchlassen oder dann doch mal Freiheit für die Beine.

Wichtig zu wissen!

Schweißverkrustungen können bei Hitze besonders reiben und zu schmerzhaften Druckstellen führen. Wasche deine Ausrüstung deshalb regelmäßig und behandle Lederteile mit pflegenden Produkten - dein Pferd wird es dir danken!

Pferde richtig duschen

Duschen ist bei Hitze ein Segen für dein Pferd, aber bitte nicht einfach "Vollgas draufhalten"! Die richtige Technik macht den Unterschied zwischen wohltuender Abkühlung und gefährlichem Schock.

Beginne immer mit handwarmen Wasser - eiskaltes Wasser kann den Kreislauf zu stark belasten. Starte an den Hinterbeinen und arbeite dich von unten nach oben vor. Dann geht's weiter zu Hals, Rücken und Brust. Den Kopf behandelst du besonders vorsichtig - hier kannst du einen nassen, weichen Schwamm verwenden.

Abziehen oder nass lassen? Das ist so umstritten wie Nutella mit Butter oder ohne…Studien eines australischen Forscherteams der Uni Maryland haben beide Methoden an erhitzten Rennpferden getestet. Das Ergebnis: Pferde, bei denen das Wasser nicht abgezogen wurde und im Fell blieb, kühlten deutlich schneller ab als jene, die mit dem Schweißmesser bearbeitet wurden. Die Erklärung: Die Wärmeableitung durch kaltes Wasser über die Haut ist größer als die durch bloße Verdunstung.

Du kannst also je nach Situation entscheiden: Entweder mit dem Schweißmesser abziehen – besonders wenn dein Pferd danach noch im Zug steht – oder das Wasser einfach auf dem Fell lassen, um den Kühleffekt zu maximieren.

Schatten und Abkühlung organisieren

Schattenplätze sind im Sommer Gold wert - und werden oft unterschätzt. Natürliche Schattenspender wie Bäume sind perfekt, aber auch Sonnensegel, Unterstände oder offene Ställe mit guter Durchlüftung schaffen Abhilfe. Selbst die vermeintlich stickige Reithalle ist oft kühler als der Reitplatz in der prallen Sonne.

Plane deine Sommer-Ausritte außerdem clever: Waldwege bieten natürlichen Schatten und sind oft deutlich kühler als offene Feldwege. Ein Ausflug zum See wäre der absolute Jackpot - Abkühlung und Spaß für beide! Viele Pferde entdecken dabei ihre Liebe zum Planschen und du bekommst gleich den Kneipp-Effekt gratis dazu. Win-win würde ich sagen!

Kräuter als natürliche Hitze-Helfer

Die Natur hat uns eine Apotheke voller Helfer geschenkt, die deinem Pferd bei Hitze wunderbar unterstützen können. Diese Kräuter wirken von innen und ergänzen die äußeren Kühlmaßnahmen perfekt:

  • Weißdorn - unterstützt das Herz, fördert die Durchblutung und hilft, den Kreislauf stabil zu halten
  • Ginkgo - verbessert die Durchblutung, vor allem in den kleineren Gefäßen (dazu mehr in meinem anderen Blogartikel über Gingko)
  • Pfefferminze - kühlt innerlich durch ätherische Öle, wirkt erfrischend und unterstützt die Verdauung
  • Melisse - wirkt beruhigend auf das Nervensystem und hilft bei innerer Unruhe oder Gereiztheit
  • Koriander - unterstützt den Stoffwechsel und hilft bei der Entgiftung

Diese Kräuter kannst du einzeln oder in Kombination füttern. Am besten sprichst du vorher mit deinem Tierarzt oder einem Kräuterexperten über die richtige Dosierung für dein Pferd.

Gut zu wissen!

Auf meinem Instagram-Kanal findest du einen super Erfrischungsdrink für die heißen Sommertage. Schau gleich mal vorbei - dein Pferd wird ihn lieben!

Flüssigkeit und Elektrolyte sind lebensnotwendig

Wasser ist Leben. Ein Pferd braucht mindestens 30-60 Liter Wasser pro Tag, aber im Sommer kann der Bedarf schnell auf das Doppelte steigen. Stell dir vor: 100 Liter Wasser am Tag! Das sind etwa fünf große Gießkannen. Faktoren wie körperliche Aktivität, Gewicht, Größe und sogar die Art der Fütterung beeinflussen den Wasserbedarf zusätzlich.

Die Wasserversorgung solltest du deshalb großzügig planen. Mehrere Wasserstellen sind besser als eine einzelne - falls eine ausfällt oder verschmutzt, hat dein Pferd immer noch Alternativen. Große Tröge oder sogar natürliche Wasserquellen wie Bäche sind ideal. Wichtig: Der Zugang zu frischem Wasser muss ständig gewährleistet sein - 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Elektrolyte: Das unterschätzte Lebenselixier

Hier wird's etwas wissenschaftlich, aber auch super wichtig: Pferde verlieren mit dem Schweiß nicht nur Wasser, sondern auch lebenswichtige Mineralstoffe wie Natrium, Kalium und Chlorid. Diese Elektrolyte sind wie die Batterien in deinem Körper - ohne sie funktioniert der Kreislauf nicht richtig.

Die Reihenfolge beim Auffüllen ist entscheidend: Erst gibst du deinem Pferd Elektrolyte (als Pulver, Paste oder meine Elektrolytmischung), dann bietest du Wasser an. Wenn dein Pferd erst literweise Wasser trinkt, verdünnt sich das Blut und die wenigen noch vorhandenen Elektrolyte werden regelrecht "weggespült". Das kann den Durst sogar verstärken, weil der Körper signalisiert: "Mir fehlen immer noch Mineralstoffe!"

Salzlecksteine zur Selbstbedienung sind zudem eine geniale Ergänzung. Einige Pferde haben ein natürliches Gespür dafür, wann sie Salz brauchen, und können sich so selbst versorgen.

Was du außerdem im Sommer beachten solltest

Der Sommer ist leider nicht nur für uns schön - auch Parasiten feiern richtig ab! Grasmilben, Zecken und Mücken haben jetzt Hochsaison und machen deinem Pferd das Leben schwer. Neben nervigem Juckreiz und Fellverlust können diese kleinen Plagegeister auch ernsthafte Krankheiten wie Babesiose übertragen.

Hier hilft nur konsequenter Schutz: Fliegendecken, Fliegensprays und Masken sind deine Verbündeten im Kampf gegen die Plagegeister. 

Ekzemer brauchen Extra-Aufmerksamkeit

Wenn dein Pferd Ekzemer ist, wird der Sommer zur doppelten Herausforderung. Starkes Schwitzen kombiniert mit Insektenstichen ist eine richtig fiese Kombination. Das führt oft zu verstärktem Juckreiz und kann die Hautprobleme verschlimmern.

Kontrolliere deshalb täglich die kritischen Stellen: Schweif, Bauchnaht und Mähnenkamm. Hier zeigen sich die ersten Anzeichen von Verschlechterungen. Mehr über dieses Thema erfährst du in meinem Blogartikel Sommerekzem beim Pferd - natürliche Hilfe, wenn´s juckt.

Fazit: Hitze meistern - Sommer genießen

Du musst dein Pferd nicht gleich in den Keller verbannen, wenn das Thermometer klettert - aber ein bisschen mehr Achtsamkeit macht den Unterschied zwischen "schwitzend durchhalten" und "entspannt genießen". 

Das Wichtigste ist, die Warnsignale zu erkennen, bevor es kritisch wird. Ein Hitzschlag beim Pferd entwickelt sich schnell, aber mit aufmerksamer Beobachtung und den richtigen Sofortmaßnahmen lässt er sich meistens verhindern. Das richtige Timing beim Reiten, clevere Abkühlung und ausreichend Flüssigkeit mit Elektrolyten sind deine stärksten Waffen gegen die Sommerhitze.

Denk dran: Schatten ist Gold wert, Wasser ist Leben, und Elektrolyte sind das Salz in der Suppe - im wahrsten Sinne des Wortes! Mit der richtigen Ausrüstung, angepassten Aktivitäten und regelmäßigen Pausen habt ihr beide auch bei über 30 Grad noch einen kühlen Kopf.

Der Sommer soll schließlich Spaß machen - für dich und dein Pferd. Also pack die Sonnencreme ein, fülle die Wassertränke auf und genieße die warme Jahreszeit (mit Verstand).

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