Brennnessel für Pferde: Was das unterschätzte Kraut wirklich kann

Die Brennnessel ist kein neues Trendkraut aus fernen Ländern, sondern ein altbewährtes Heilkraut, das bereits unsere Vorfahren für ihre Pferde nutzten. Sie wächst am Wegesrand, an Hecken und überall dort, wo der Boden nährstoffreich ist. Dennoch wird sie von vielen Pferdebesitzern häufig völlig unterschätzt. Dabei steckt die Brennnessel voller wertvoller Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe, die den Stoffwechsel unterstützen, die Entgiftung fördern und das Wohlbefinden steigern können.

In diesem Artikel erfährst du alles, was du über die Fütterung von Brennnessel für dein Pferd wissen musst – von den Ursprüngen über die gesundheitlichen Vorteile bis hin zur richtigen Dosierung. Lass uns gemeinsam entdecken, warum die „gemeine" Brennnessel alles andere als gemein ist!

Die Brennnessel und ihre jahrhundertealte Bedeutung

Die Brennnessel (Urtica dioica) ist längst keine neu entdeckte Wunderpflanze mehr oder irgendein unnützes Unkraut. Sie wächst schon seit Jahrtausenden direkt vor unserer Stalltür und schon in der Steinzeit wussten die Menschen um ihre Kraft. Die Pferdehändler im Mittelalter nutzten ihre Wirkung dann clever und fütterten Brennnesselsamen gezielt, um ihren Pferden zu glänzenden Fell und mehr Vitalität zu verhelfen.

Diese mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae) kann eine Höhe von bis zu 150 Zentimetern erreichen und ist an ihren gegenständig angeordneten, herzförmigen bis lanzettlichen Blättern mit gesägtem Rand zu erkennen. 

Die feinen Brennhaare auf Stängeln und Blättern sind mit Kiesel- und Ameisensäure gefüllt – ein natürlicher Schutzmechanismus der Pflanze. Deshalb lassen unsere Vierbeiner die frischen Brennnesseln auf der Weide auch meist stehen. Ihr Instinkt sagt ihnen: "Finger weg von den pieksenden Dingern!" Aber sobald die Pflanze angewelkt oder getrocknet ist, verlieren die Brennhaare ihre Wirkung. Dann wird aus dem "No-Go" plötzlich ein "Leckerli", das viele Pferde richtig gerne fressen.

Ursprünglich stammt die Große Brennnessel aus den gemäßigten Zonen Europas und Asiens, hat sich aber mittlerweile weltweit verbreitet. Denn sie ist ein echter Überlebenskünstler und wächst auf nahezu jedem stickstoffreichen Boden. Besonders wohl fühlt sie sich an Wegrändern, Hecken und – wer hätte es gedacht – genau dort, wo unsere Pferde ihre Weiden „überdüngen".

Was macht die Brennnessel so besonders für Pferde?

Die Brennnessel ist quasi das Schweizer Taschenmesser unter den Heilkräutern und steckt voller wertvoller Inhaltsstoffe, die deinem Pferd auf vielfältige Weise helfen können. Das Besondere ist, dass die Brennnessel siebenmal mehr Vitamin C als Orangen enthält und etwa halb so viel Beta-Karotin wie Karotten! Dazu kommen:

  • Eisen und Chlorophyll (für die Blutbildung)
  • Kalium, Magnesium, Calcium (für Muskeln und Knochen)
  • Kieselsäure (für Haut, Fell und Bindegewebe)
  • Gerbstoffe (für den Magen-Darm-Trakt)
  • Bis zu 9% hochwertiges Eiweiß
  • Enzyme, Folsäure, Vitamin E

Dadurch wird sie zur echten Nährstoffbombe und das Beste daran ist: Sie ist komplett natürlich!

Zudem ist die harntreibende Wirkung der Brennnessel legendär. Sie unterstützt die Nieren dabei, Giftstoffe und Abfallprodukte aus dem Körper zu spülen und fungiert im Prinzip wie ein natürlicher Frühjahrsputz für den Pferdekörper! Besonders nach langen Stehzeiten im Winter oder bei Pferden, die zu Wassereinlagerungen (Ödemen) neigen, kann die Brennnessel Gold wert sein.

Wichtig zu wissen!

Ein absolutes Muss ist allerdings ausreichend frisches Wasser. Die harntreibende Wirkung funktioniert nur, wenn dein Pferd genug trinkt! Nur so können die Giftstoffe wirklich ausgespült werden. Stelle also immer sicher, dass Wasser ausreichend zur Verfügung steht und diese regelmäßig kontrolliert und aufgefüllt werden.

Abgesehen von der harntreibenden Wirkung, enthält die Brennnessel auch noch einen Baustein, der für ein elastisches Bindegewebe, eine gesunde Haut und eine stabile Huflederhaut sorgt: die Kieselsäure. Viele Pferdebesitzer berichten von glänzendem Fell, vollerer Mähne und kräftigerem Schweif nach einer Brennnesselkur. Auch bei einem Sommerekzem oder Mauke kann sie unterstützend wirken.

Außerdem wirken die Gerbstoffe entzündungshemmend im Magen-Darm-Trakt und können so bei Kotwasser oder leichten Verdauungsproblemen helfen. Gleichzeitig werden auch die Leber und die Bauchspeicheldrüse angeregt, welche wichtige Organe für einen gesunden Stoffwechsel sind. Nicht zuletzt unterstützen das enthaltene Vitamin C und Eisen die Bildung roter Blutkörperchen. Besonders für Pferde, die zu Anämie neigen oder gerade im Fellwechsel stecken und Unterstützung brauchen, kann die Brennnessel also sehr interessant sein.

So fütterst du Brennnessel am besten

Doch damit die Brennnessel auch wirklich dein Pferd unterstützen kann, spielt die Qualität eine entscheidende Rolle. Sammle sie selbst an Stellen, die garantiert unbelastet sind – also weit weg von stark befahrenen Straßen, gespritzten Feldern oder Hundegassi-Routen. Denn Schimmel oder Pestizide haben im Pferdefutter absolut nichts verloren.

Als Faustregel gilt:

  • Großpferd (ca. 600 kg): 30-50 g getrocknete Brennnessel pro Tag
  • Kleinpferd/Pony: 20-30 g getrocknete Brennnessel pro Tag
  • Grobe Orientierung: Etwa 10 g pro 100 kg Körpergewicht

Die Brennnessel wird üblicherweise als Kur über 4-6 Wochen gefüttert. Danach solltest du eine Pause einlegen und schauen, ob dein Pferd noch weiteren Bedarf hat. 

Beobachte deinen Vierbeiner während der Fütterung außerdem genau. Jedes Pferd ist individuell – manche lieben Brennnessel und fressen sie begeistert, andere rümpfen demonstrativ die Nase. Akzeptiere das und zwinge deinem Pferd nichts auf. Wenn es partout nicht will, gibt es genug andere Alternativen und manchmal war es nicht der richtige Zeitpunkt, dann bietest du sie nach einer Zeit noch mal an.

Übrigens lässt sich die Brennnessel auch wunderbar mit anderen Kräutern kombinieren. Bspw. unterstützt sie mit Löwenzahn zusammen die Entschlackung und den Stoffwechsel noch intensiver, mit Mariendistel wird die Leber zusätzlich geschützt, und mit Hagebutten bekommt dein Pferd eine extra Portion Vitamin C für das Immunsystem. 

Aber auch hier gilt: Nicht zu viele verschiedene Kräuter auf einmal! Der Körper kann immer nur eine begrenzte Menge an Wirkstoffen sinnvoll verarbeiten. Weniger ist manchmal mehr, und eine gezielte Kur mit einem oder zwei Kräutern ist oft effektiver als ein bunter Kräutermix ohne klares Konzept.

Grenzen und Risiken der Brennnessel-Fütterung

So toll die Brennnessel auch ist – es gibt ein paar wichtige Dinge, die du unbedingt beachten solltest, bevor du mit der Fütterung beginnst. Besonders bei Vierbeinern mit bestimmten Vorerkrankungen ist Vorsicht geboten. 

Pferde mit Herz- oder Niereninsuffizienz sollten keine Brennnessel bekommen, da die stark harntreibende Wirkung die ohnehin schon belasteten Organe zusätzlich fordern würde. Hier ist es absolut wichtig, vorher mit deinem Tierarzt zu sprechen und keine Experimente zu machen.

Auch bei Hufrehe-Kandidaten ist Vorsicht angebracht. Eine intensive Entgiftungskur kann zu viele Giftstoffe auf einmal freisetzen und im schlimmsten Fall einen Rückfall auslösen. Brennnessel in normaler Dosierung ist meist kein Problem, aber von starken Detox-Kuren solltest du bei diesen Pferden lieber die Finger lassen. 

Bei trächtigen Stuten empfehle ich ebenfalls, vorher tierärztlich abzuklären, ob eine Brennnesselfütterung sinnvoll ist, auch wenn manche Quellen berichten, dass sie die Milchleistung verbessern kann.

Wichtig ist auch, dass du nicht in die Falle tappst zu denken "viel hilft viel". Das Gegenteil ist der Fall! Halte dich an die empfohlenen Dosierungen und mache Pausen zwischen den Kuren. Dein Pferd braucht Zeit, um die Inhaltsstoffe zu verarbeiten und der Körper muss sich auch wieder regenerieren können.

Fazit: Naturkraft mit Tradition und Zukunft

Die Brennnessel ist ein echtes Geschenk der Natur und das Beste daran: Sie wächst direkt vor unserer Haustür! Während wir sie im Sommer zwar verfluchen, wenn wir mit kurzer Hose an ihr vorbeischrammen, ist sie für unsere Pferde ein wertvoller Begleiter für Stoffwechsel, Entgiftung und Wohlbefinden.

Mit der richtigen Dosierung, etwas Geduld und einem wachsamen Auge kannst du die Kraft dieser „stacheligen Schönheit" nutzen, um dein Pferd auf natürliche Weise zu unterstützen. Fang dabei am besten klein an, beobachte dein Pferd genau und lass dich auf das Abenteuer „naturnahe Fütterung" ein.

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