Es ist Januar. Draußen dämmert es immer noch um vier, der Boden ist gefroren wie Beton, und du stehst vor deinem Pferd und denkst: "Und jetzt?" Die Reithalle im nächsten Ort ist hoffnungslos ausgebucht, dein Paddock verwandelt sich bei jedem Wetterumschwung in eine Rutschbahn, und dein Pferd guckt dich an mit diesem Blick, der sagt: "Na los, unterhalt mich!"
Keine Panik! Die Winterzeit muss keine Langeweile sein. Ich zeige dir 10 Arten von Beschäftigung, die von einfach bis raffiniert reichen. Egal ob dein Pferd im Offenstall steht, in der Paddockbox chillt oder du ihm nur einen kleinen Auslauf bieten kannst – hier ist für jeden etwas dabei. Also, Winterjacke an und los geht's!

Heu-Versteckspiel: Die Futtersuche aktivieren
So funktioniert's
Statt das ganze Heu auf einen langweiligen Haufen zu werfen, verteilst du kleine Portionen über die ganze Koppel oder den Paddock. Einen Büschel hinter dem Unterstand, einen am Zaun entlang und vielleicht sogar einen unter einem umgedrehten Eimer mit Löchern.
Warum das genial ist
In freier Wildbahn stehen Pferde nicht an einem Buffet und schlagen sich den Bauch voll. Sie würden wandern, suchen, fressen, wandern, suchen, fressen, usw. – und das 16 bis 18 Stunden am Tag! Dein Heu-Versteckspiel imitiert genau dieses Verhalten. Nebenbei hält die Bewegung warm, und dein Pferd ist mental so gefordert, dass es abends zufrieden und müde ist.
Für welche Haltung?
Perfekt für Offenstall, Aktivstall und Paddockbox mit Auslauf. Auch wenn dein Pferd in einer Box lebt, kannst du das Heu auf dem Paddock oder auf der Koppel verstecken, sobald dein Pferd rauskommt. Hauptsache, es gibt genug Raum zum Entdecken.
Wenn dein Pferd das Heu-Versteckspiel dann im Schlaf beherrscht, wird's Zeit für die nächste Stufe: Futter, das sich nicht einfach so ergeben will.
Slow-Feeder mal anders: Zweige und Äste
So funktioniert's
Hol dir die Natur direkt auf den Hof und binde ungiftige Zweige – wie z. B. Weide, Hasel, Apfel oder Birke – an den Zaun oder hänge sie in Kopfhöhe auf. Dein Pferd muss sich dann strecken, knabbern und richtig arbeiten, um an die leckere Rinde zu kommen. Das ist wie ein natürlicher Kaugummi, nur besser.
Warum das genial ist
Pferde knabbern schon seit Urzeiten an Rinden, besonders im Winter, wenn draußen nicht mehr so viel wächst. Es beschäftigt das Maul stundenlang, fördert den natürlichen Zahnabrieb und liefert Ballaststoffe ohne jegliche Zusätze. Und das Beste? Es kostet nichts und ist komplett chemiefrei. Dein Pferd wird dich lieben oder zumindest den Baum.
Für welche Haltung?
Das funktioniert wirklich überall: Offenstall, Paddock und sogar an der Boxenwand. Hauptsache, die Zweige sind frisch und unbehandelt. Also bitte keine gespritzten Obstbäume vom Nachbarn klauen!
So, dein Pferd hat jetzt gefuttert und geknabbert. Aber wie wär's jetzt mit ein bisschen Action?
Spurenlesen: Bodenarbeit im Schnee
So funktioniert's
Schnee ist die perfekte Leinwand für Kunstwerke! Laufe mit deinem Pferd verschiedene Muster: Kreise, Schlangenlinien, Achten und vielleicht sogar ein Herz (hat echtes Instagram-Potenzial!). Dein Pferd soll dir dabei folgen. Entweder am Strick oder, wenn ihr mutig seid, frei. Danach schaut ihr euch gemeinsam euer Kunstwerk an: Sind die Linien gerade? Die Bögen rund? Oder sieht's aus wie ein Spaghetti-Unfall?
Warum das genial ist
Im Schnee muss dein Pferd die Beine höher heben und ganz anders balancieren als auf trockenem Boden. Das trainiert Koordination, Trittsicherheit und Körpergefühl und ist quasi Gymnastik, ohne dass es sich nach Arbeit anfühlt. Plus: Du bist draußen, ihr bewegt euch zusammen, und am Ende habt ihr was zu lachen.
Für welche Haltung?
Diese Art von Beschäftigung braucht etwas Platz. Etwa eine Koppel, eine große Waldwiese, ein Paddock oder einen Reitplatz. Bei Glatteis solltest du das Ganze lieber pausieren. Sonst wird aus dem Spurenlesen eine Schlitterpartie, und das will wirklich niemand.
Heunetze 2.0: Der Futter-Parcours
So funktioniert's
Statt nur ein Heunetz aufzuhängen, hängst du gleich mehrere auf und zwar in unterschiedlichen Höhen. Eins bodennah, eins auf Brusthöhe und eins noch höher. Dein Pferd muss dann zwischen den Stationen hin- und herwechseln und jedes Mal eine andere Körperhaltung einnehmen. Das ist wie ein Buffet mit Hindernisparcours.
Warum das genial ist
Unterschiedliche Fresshöhen trainieren Nacken, Rücken und die gesamte Rumpfmuskulatur. Gerade im Winter, wenn weniger geritten wird, hält das die Muskulatur geschmeidig und beugt Verspannungen vor. Außerdem frisst dein Pferd automatisch langsamer.
Für welche Haltung?
Ideal für Offenstall und Paddockbox. In Gruppenhaltung solltest du mehrere Stationen einrichten, damit es kein Gezicke um die besten Plätze gibt. Jeder darf sein Lieblingsnetz haben!
Jetzt, wo dein Pferd in Sachen Heu zum Profi geworden ist, wird's Zeit für etwas Knackiges. Buchstäblich.
Der Gemüse-Spieß: Beschäftigung zum Knabbern
So funktioniert's
Schnapp dir Möhren, Fenchel, Pastinaken oder Sellerie und fädle sie auf eine stabile Schnur. Hänge den Gemüsespieß anschließend in Brusthöhe auf – aber bitte nicht zu hoch, sonst wird's zu akrobatisch. Dein Pferd muss jetzt vorsichtig abbeißen, ohne dass die ganze Kette dabei runterfällt.
Warum das genial ist
Dein Pferd lernt, gezielt und mit Bedacht zu arbeiten. Kein hektisches Schlingen, sondern konzentriertes Knabbern. Außerdem ist Wurzelgemüse im Winter sowieso super: Es enthält natürliche Vitamine, ist keine Zuckerbombe, und du weißt genau, was drin ist.
Für welche Haltung?
Der Gemüsespieß ist überall umsetzbar, wo du etwas zum Aufhängen hast: Zaun, Balken, Baum, etc. Also auch perfekt für Pferde in Boxenhaltung als willkommene Abwechslung zum Standard-Alltag.

Trail-Elemente im Winter: Cavaletti mal anders
So funktioniert's
Baue aus einfachen Stangen oder Baumstämmen kleine Hindernisse auf dem Paddock oder der Koppel. Dein Pferd soll drübersteigen, drum herumgehen oder sich dazwischen durchschlängeln. Führe es zunächst am Strick, und wenn ihr beide sicher seid, vielleicht später sogar frei. Das ist wie ein Mini-Abenteuer-Spielplatz, nur ohne Rutsche.
Warum das genial ist
Die Körperwahrnehmung und eure Kommunikation werden hier richtig geschult. Auf unebenem, leicht gefrorenem oder verschneiten Boden ist das wichtige Arbeit für Gelenke, Sehnen und Balance. Gerade im Winter, wenn die Böden sich ständig verändern, zahlt sich diese Übung aus. Und du? Du bekommst endlich mal wieder das Gefühl, richtig zu trainieren – auch ohne Sattel!
Für welche Haltung?
Auch hier brauchst du etwas Platz und ein paar Stangen, Hütchen, Folie, Flaterband. Alternativ tun es aber alte Baumstämme genauso. Umsetzen kannst du das ganze im Offenstall, auf einer Koppel oder einem Reitplatz oder aber auch einfach im Wald.
Target-Training: Kopfarbeit auf höchstem Niveau
So funktioniert's
Bring deinem Pferd bei, mit der Nase ein Ziel zu berühren – ein sogenanntes Target. Das kann ein Ball an einem Stab sein, ein Kegel, deine Hand oder auch nur ein bunter Lappen. Erst auf Kommando, dann auf Distanz und dann in Bewegung. Die Belohnung? Ein Stückchen Möhre oder selbstgemachte Leckerlis, wie die aus meinem Leckerli Rezepte eBook – ganz ohne Zucker, versteht sich.
Warum das genial ist
Mentale Arbeit macht genauso müde wie körperliche. Dein Pferd lernt Konzentration, Geduld und Feinmotorik. Es muss nachdenken, Signale verstehen und anschließend umsetzen. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein deines Pferdes, sondern auch eure Bindung. Im Winter, wenn weniger geritten wird, ist diese Art von Training Gold wert.
Für welche Haltung?
Das funktioniert überall – selbst in der Box kannst du kurze Sessions machen. Oft reichen schon 10 bis 15 Minuten, um dein Pferd richtig auszulasten. Perfekt also für schlechtes Wetter oder wenn die Zeit mal knapp ist.
Heu-Labyrinth: Die Königsdisziplin der Futtersuche
So funktioniert's
Baue aus Strohballen, Stangen oder Absperrungen ein kleines Labyrinth auf dem Paddock oder der Koppel. Verstecke in den Gängen und Sackgassen kleine Heuhaufen & Leckerli. Dein Pferd muss jetzt den Weg finden, Entscheidungen treffen und wird dabei mit Futter belohnt. Das ist wie eine Schnitzeljagd – nur dass dein Pferd der Detektiv ist.
Warum das genial ist
Hier kommt alles zusammen: Bewegung, Problemlösung UND naturnahe Fütterung. Dein Pferd muss verschiedene Wege ausprobieren, falsche Entscheidungen korrigieren und bleibt dabei ständig in Bewegung. Das ist artgerechte Beschäftigung auf Expertenlevel und dein Pferd wird stolz wie Oskar sein, wenn es den Weg zum Heu gefunden hat.
Für welche Haltung?
Das braucht definitiv Platz und etwas Aufwand beim Aufbauen. Daher ist es ideal für Aktivstall-Besitzer oder wenn du einen größeren Paddock zur Verfügung hast. Wenn mehrere Pferde beteiligt sind, solltest du unbedingt genug Ausgänge einplanen, damit kein Pferd in die “Falle” tappt!
So, jetzt haben wir es fast geschafft. Aber bevor wir zum Ende kommen, wird´s erst nochmal richtig cool. Und zwar mit Dingen, die dein Pferd normalerweise eher gruselig findet.
Gelassenheitstraining mit Naturmaterialien
So funktioniert's
Baue einen kleinen Parcours mit "gruseligen" Dingen auf: flatternde Planen, raschelnde Äste im Wind, Wasserpfützen (oder Schnee), knisternde Folien, unebene Bodenwellen, Stühle, Mülltonnen, Regenschirme, etc. Führe dein Pferd langsam und ohne Druck hindurch. Lass es schnuppern, gucken und zögern. Kein Stress, keine Eile – nur Geduld und Vertrauen.
Warum das genial ist
Mentale Stärke ist im Winter besonders wichtig. Wind, Schnee, Dunkelheit und seltsame Geräusche machen oft das ein oder andere Pferd nervös. Gezieltes Gelassenheitstraining hilft, dass dein Pferd auch bei miesem Wetter entspannt bleibt. Und mal ehrlich: Es ist auch für dich eine Übung in Sachen Ruhe und Achtsamkeit.
Für welche Haltung?
Sowas ist überall möglich, wo du etwas Platz und Kreativität hast. Auch super für Pferde, die sonst wenig Abwechslung erleben und mal eine kleine Herausforderung brauchen. Macht übrigens auch in der Gruppe sehr viel Spaß!
Und jetzt kommt die absolute Meisterklasse. Die ist nur für die Mutigen unter euch. Aber wenn du bis hierher gekommen bist, dann bist du das sowieso schon.
Freiheitsdressur: Die Meisterklasse
So funktioniert's
Arbeite mit deinem Pferd komplett frei – ohne Halfter, ohne Strick, ohne Sicherheitsnetz. Nur du, dein Pferd und deine feine Körpersprache. Nutze deine Stimme, deine Gesten und minimale Signale, um Lektionen wie Schulterherein, Seitengänge oder sogar Traversalen zu erarbeiten. Die Belohnung? Kommt aus der Jackentasche: bspw. in Form von natürlichen Schmeckis.
Warum das genial ist
Das ist die Champions League der Pferdebeschäftigung! Hier zählt nur eins: Vertrauen, Kommunikation und gegenseitiger Respekt. Dein Pferd lernt, auf feinste Signale zu reagieren, und ihr arbeitet als echtes Team zusammen. Außerdem forderst du dein Pferd so mental und körperlich.
Für welche Haltung?
Die Freiheitsdressur braucht definitiv einen sicheren, abgegrenzten Bereich wie z. B. ein Roundpen, einen eingezäunten Reitplatz oder ein großes Paddock. Außerdem ist sie nur für Pferde geeignet, die schon die Grundlagen in der Freiarbeit haben und für Menschen, die Geduld mitbringen. Aber wenn's klappt? Dann ist es Magie pur.
